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Die tektonischen Richtungen des Ruhrkarbons und ihre Beziehungen zur Faltung

Pilger, Andreas

Kurzfassung

A. Die Störungsformen und ihre Richtungen 1. Generelles Streichen der Störungsformen Das Achsenstreichen der oberkarbonischen Sättel und Mulden des Ruhrgebietes verläuft generell SW-NE bis WSW-ENE. Gleiches Streichen gilt allgemein auch für die meisten Überschiebungen und Wechsel. In dieser Richtung liegt demnach b = B der Gefügekunde, wobei die vorhandenen Strukturen durch Einengung normal (senkrecht) B mit deutlicher Vergenz gegen NW entstanden. Aus Abb. 1 ergibt sich für das Achsenstreichen ein deutliches Maximum bei 56° bis 60° (der 5°-Streichrose). Fast ebenso stark ist aber auch die Richtung 61° bis 65° besetzt. Alle anderen Richtungen treten demgegenüber mehr oder weniger zurück. Somit kann das Generalstreichen des Ruhrkarbons, ausgedrückt durch den Verlauf der Faltenachsen und Überschiebungen, mit 56° bis 65° angenommen werden. In diesen Bereich der Streichrose fällt etwa die Hälfte der 1364 B-Achsen-Messungen aus Abb. 1 (s. Tab. 1). Knapp ein Drittel der Messungen kommen weiterhin, gleichmäßig verteilt, auf die. Richtungen 51° bis 55° und 66° bis 70°. Alle übrigen Richtungen sind geringer vertreten und staffeln sich hinsichtlich ihrer Anzahl gegen die N-S- und E-W-Richtung herab. Bei der Betrachtung einzelner Bereiche zeigt sich, daß ein mittlerer Bezirk des Ruhrgebietes bei Dorsten, Gladbeck, Marl, Recklinghausen, Essen und Bochum von der allgemeinen Richtung etwas abweicht und ein maximales Achsenstreichen zwischen 51° und 55° aufweist (s. Tafel 1). Ein zu den Faltenachsen querschlägiges tektonisches Element zeigt sich in den sog. Querstörungen des Ruhrreviers. Solche Störungen erreichen hier mehrere 100 m bis fast 1000 m Seigerverwurf. Charakteristisch für sie sind die meist scharf ausgebildete liegende und hangende Randstörung, die das gewöhnlich recht stark gestörte und mylonitisierte Störungsgebirge in ihrem Innern deutlich gegen das Gesunde abgrenzen. Überwiegend fallen sie mit Winkeln zwischen 60° und 75° gegen SW und NE ein. Es sind entweder Sprünge (Abschiebungen) mit vertikaler oder sehr steiler abschiebender Komponente öder Schrägabschiebungen, deren zusätzliche horizontale Bewegungen entweder durch Schollenkippung oder durch (z. T. nachträgliche) Scherbewegungen hervorgerufen sind.