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Die Mitwirkung der Geophysik bei der Klärung tektonischer Fragen im Steinkohlengebirge

Wolff, Wilhelm

Kurzfassung

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Angewandte Geophysik bei ihrem heutigen hohen Entwicklungsstand ein wertvolles, kostensparendes und notwendiges Hilfsmittel bei geologischen Aufschlußarbeiten im Steinkohlengebirge darstellt. Das beweisen u. a. die zahlreichen mit Erfolg durchgeführten geophysikalischen Arbeiten im rheinisch-westfälischen Karbon und in unseren westlichen Nachbarländern. Die Frage ist nur, welche geophysikalischen Methoden für die Erschließung des Karbons am besten geeignet sind und welche Erwartungen im einzelnen an sie geknüpft werden können. Über beide Fragen gehen in den interessierten Kreisen des Bergbaus die Meinungen oft noch auseinander. Auch gelangen hier und da noch Untersuchungsverfahren zur Anwendung, denen ein Erfolg meist versagt sein muß. Um es vorweg zu nehmen: Für ein erfolgreiches Prospektieren in Steinkohlengebieten von der Art der rheinisch-westfälischen kommen nur die gravimetrischen und seismischen Verfahren in Betracht, wobei das Schwergewicht eindeutig auf den letzteren und speziell dem reflexionsseismischen Verfahren liegt. Zur Lösung von Problemen des Deckgebirges, besonders in hydrogeologischer Hinsicht, können auch geoelektrische Verfahren von Wert sein. Außerhalb der Betrachtung sollen die physikalischen Bohrlochmeßverfahren bleiben, deren große Bedeutung für die Charakterisierung der Schichten sowohl des Deckgebirges wie auch des Karbons selbst allgemein bekannt ist und über die O. RÜLKE (1955) eingehend berichtet hat. An Hand von praktischen Beispielen aus dem Ruhr- und Aachener Karbon soll im folgenden erläutert werden, inwieweit Gravimetrie und Seismik zur Klärung tektonischer Fragen im Steinkohlengebirge beitragen können.