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Die fazielle und stratigraphische Bedeutung der Mikrofauna im Ruhrkarbon und ihr praktischer Wert für den Bergbau

Fiebig, H.; Grebe, H.

Kurzfassung

Nach ihrem Vorkommen kann man im Ruhrkarbon drei große Gruppen von Mikrofossilien unterscheiden: 1. solche, die in rein marinen Sedimenten auftreten. Dazu gehören bestimmte Kleinstformen von Brachiopoden und Mollusken und die Conodonten, vereinzelt auch Foraminiferen und bestimmte Ostracoden (Hollinella-Gruppe). 2. solche, die in marin-brackischen Sedimenten auftreten. Das sind Foraminiferen und Ostracoden der Jonesina-Gruppe, ferner bestimmte Mollusken (Schnecken, Anthraconauta minima). 3. solche, die vorwiegend in nicht-marinen Sedimenten auftreten, wie die Ostracoden der Carbonita-Gruppe. Von den Protozoen wurden im Ruhrkarbon bisher nur Foraminiferen, und zwar ausschließlich Sandschaler-Formen, nachgewiesen. Vorwiegend treten ungekammerte Formen auf (Ammodiscus, Glomospira, Glomospirella, Hyperammina). Ein bisher gefundenes Einzelexemplar der Familie Lituolidae beweist, daß auch gekammerte Formen vorkommen. Aus praktischen Gründen wurden für die Ostracoden drei Gruppen aufgestellt, in denen die meisten hier vorkommenden Ostracoden eingeordnet werden können: die Carbonita-, die Jonesina- und die Hollinella-Gruppe. Die Ostracoden der Carbonita-Gruppe mit Carbonita agnes (JONES) und C. humilis (JONES & KIRBY) und Whipplella rhenana (KUMMEROW) und W. cenisa n.sp. treten vorwiegend in nichtmarinen Schichten auf. Die Ostracoden der Jonesina-Gruppe mit Jonesina arcuata (BEAN) und J. robusta (KUMMEROW) sind besonders häufig in brackischen Sedimenten, während die der Hollinella-Gruppe mit Hollinella bassleri (KNIGHT), Amphissites, Knightina und Roundyella vom oberen Westfal B an auch in rein marinen Schichten gefunden wurden.