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Der Werdegang der Kohle im mikroskopischen Bild

Teichmüller, M.

Kurzfassung

An Hand von Dünnschliff- und Anschliff-Bildern wurde die Entwicklung vom Torf über das Braunkohlen- und Steinkohlenstadium bis zum Anthrazit und Graphit gezeigt. Im Torf unterscheiden sich viele Pflanzenteile strukturell kaum von den rezenten Pflanzen. Auch die Torfe der Ruhrkohlen, die uns aus den Dolomitknollen und neuerdings auch aus Kieselknollen bekannt sind, zeigen vielfach noch alle Einzelheiten des pflanzlichen Zellgefüges. Die Weichbraunkohle gleicht petrographisch noch sehr dem Torf. Anders die Glanzbraunkohle, die petrographisch bereits zu den Steinkohlen gehört. Der Übergang von der Weichbraunkohle zur Glanzbraunkohle, der vor allem durch kolloidchemische Vorgänge charakterisiert ist, ist die petrographisch auffälligste Änderung innerhalb der ganzen Inkohlungsreihe. Bereits Glanzbraunkohlen können Spannungsanisotropie zeigen infolge Ausrichtung der Kohle-Mizellen in bestimmte, vom Druck abhängige Ebenen. Bei den Steinkohlen wird diese Anisotropie immer ausgeprägter. Sie ist zunächst nur im Durchlicht erkennbar. Das Reflexionsvermögen der humosen Substanz (Vitrinit) nimmt während der ganzen Inkohlungsreihe zu und gleicht sich dem der primär stark reflektierenden Bestandteile (Fusinit) an. Da auch die Protobitumina sich in ihren optischen (und chemischen) Eigenschaften mehr und mehr dem Vitrinit anpassen (bis sie vom Fett-Eßkohlenstadium nicht mehr von diesem zu unterscheiden sind), wird das Mikrobild der Kohle immer einförmiger. Im Eßkohlenstadium wird die Anisotropie der Steinkohlen auch im Auflicht sichtbar. Bei den Anthraziten ist sie besonders stark ausgeprägt. Auch das Reflexionsvermögen des Vitrinits nimmt bei den Anthraziten sprungartig zu. Mikroskopisch sichtbare Einzelkristalle mit einem echten Kristallgitter finden wir erst bei den Graphiten.