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Neue Ergebnisse der Forschungen im variskischen Gebirge Nordostbayerns

Wurm, A.

Kurzfassung

Geologische Kartenaufnahme Die geologische Erforschung des variskischen Gebirges in Nordostbayern ging in drei getrennten Perioden vor sich. Die Grundlagen wurden von v. GÜMBEL in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gelegt. Es war eine erste Übersichtsaufnahme 1:100 000. Es ist staunenswert, mit welchem Scharfblick v. GÜMBEL schon damals die stratigraphische und tektonische Entwicklung des Gebietes erfaßte. Nach dem ersten Weltkrieg wurden von der Bayerischen geologischen Landesuntersuchung Spezialaufnahmen im Maßstab 1:25 000 durchgeführt. Von mir wurden damals die Positionsblätter Preßeck, Wallenfels, Naila, Hof im Frankenwald und Blatt Wunsiedel (Marktredwitz) im Fichtelgebirge aufgenommen. Die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse wurden von mir in meinem Buch "Geologie von Nordbayern, Fichtelgebirge und Frankenwald", 1925, zur Darstellung gebracht. Nach dem zweiten Weltkrieg setzten erneut Forschungen ein, die unter meiner Leitung von meinen Schülern am geologischen Institut der Universität Würzburg durchgeführt wurden. In der Erkenntnis, daß im alten Gebirge nur die Spezialkartierung 1:25 000 die erforderliche sichere Grundlage für die Klärung von Problemen bildet, wurden im Lauf der letzten Jahre verschiedene noch ausstehende paläozoische Gebiete in der Umrandung der Münchberger Gneismasse im Maßstab 1:25 000 aufgenommen. Den Stand der geologischen Kartierung im Frankenwald (1955) zeigt Abb. 1. Stratigraphie und Paläontologie Wesentlich neue Erkenntnisse wurden in den letzten Jahren in stratigraphischer und paläontologischer Hinsicht gewonnen. Zunächst wurde die von mir erkannte Vorstellung zweier Faziesgebiete, einer thüringischen und einer auf die Umrandung der Gneismasse beschränkten bayerischen Fazies, in vollem Umfang bestätigt. Wenn wir das Gebiet der bayerischen Fazies betrachten, so hat die Aufnahme des nördlichen Teiles von Gradlinienblatt Stadtsteinach durch G. v. HORSTIG den Nachweis erbracht, daß das Mittelkambrium von Preßeck sich nach Süden in zwei vielfach durch Querverwerfungen zerrissenen Bändern fast bis zur Fränkischen Linie fortsetzt.