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Harzer und Thüringer Variszikum

Schwan, Werner

Kurzfassung

Mehrjährige Geländeuntersuchungen (1944-1951) im variszischen Gebirge des Harzes und Thüringens, die auf Anregungen Prof. DAHLGRÜNS und Prof. STILLES zurückgehen, erlauben, Genaueres über die Tektonik dieser Gebiete auszusagen. Beiden Gebieten gemeinsam ist eine mächtige, vorwiegend paläozoische Schichtenfolge. Und beide hatten ihre Hauptfaltung in der sudetischen Phase. Ihre orogene Gestaltung aber verlief recht unterschiedlich. Der Bau des Harzes und der Bau des Thüringer Schiefergebirges sollen hier miteinander verglichen werden. Durch die Feststellung der Unterschiede zwischen den beiden variszischen Gebirgsteilen treten ihre Wesenszüge besonders hervor, und damit werden die baugestaltenden Faktoren jedes Gebietes leichter erkennbar. Zunächst seien die tektonischen Hauptmerkmale genannt. I. Harz Im Harz sind 9 Einheiten erster Größenordnung mit ± erzgebirgischem Streichen vorhanden. Jede Einheit besitzt eine bestimmte Gesteinszusammensetzung und einen ihr eigenen Baustil. Die Harzeinheiten sind, von SO nach NW gesehen, folgende (DAHLGRÜN 1939, SCHWAN 1954 b): 1. Wippraer Sattel, 2. Harzgeröder Faltenzone, 3. Südharz- und Selkemulden, 4. Tanner Zug, 5. Blankenburger Faltenzone, 6. Elbingeröder Komplex, 7. Sieber Mulde, 8. Acker-Bruchbergzug und 9. Clausthaler Faltenzone (Abb. 1). Die Einheiten können hier nur genannt, aber nicht näher betrachtet werden. Die zwischen den Harzeinheiten bestehenden schroffen Gesteinsunterschiede und abnormen Lagerungsverhältnisse haben wiederholt, noch 1952, Deckenbau vorgetäuscht. So ist der Harz einmal in drei große tektonische Einheiten eingeteilt worden: in einen autochthonen Oberharz, eine darauf von SO her flach überschobene Unterharzdecke und eine auf diese bewegte Stieger Decke. Die vielfältige Gesteinsausbildung des Harzpaläozoikums geht aber auf häufigen seitlichen Fazieswechsel zurück. Besonders innerhalb der Schichten vom Obermitteldevon bis zum Unterkarbon (einschließlich) heben sich einige größere Gesteinskomplexe in ihren Umrissen (paläogeographisch) ab; diese Einheiten waren also vor der Orogenese an Ort und Stelle vorhanden.