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Gesteinsserien, Tektonik und Metamorphose im südlichen kristallinen Vorspessart

Braitsch, Otto

Kurzfassung

V. BUBNOFF (1926) unterschied in seiner Studie über das SW-deutsche Grundgebirge im Vorspessart eine zentrale Gneiskuppel von einem im S anschließenden Dioritkomplex mit zugehörigen Paragneisen sowie den nördlichen Komplex der Staurolith-Paragneise, Quarzit-Quarzitschiefer und die nördliche Gneisserie. Der vorliegende Bericht beschrankt sich auf die Gneiskuppel den Dioritkomplex, und zwar im wesentlichen auf die Gebiete S der Aschaff und die Umgebung von Laufach (Abb. 1). Den Kern des Gneiskomplexes bildet ein grobflasriger, meist zweiglimmeriger Orthogneis [THÜRACHS (1892) Goldbacher Stufe]. Er wird z. Z. durch H. MURAWSKI untersucht. Darüber folgen, durch Glimmerschiefer- und Paragneis-Lagen getrennt, 3 bzw. 4 Pakete eines Biotitgneises [THÜRACHS (1892) Haibacher Stufe] wechselnder Mächtigkeit mit deutlicher Paralleltextur und Striemung B. An Umbiegungsstellen des s-Flächenstreichens tritt bevorzugt auch deutlich stenglige Textur auf (B-Tektonite). Nach dem Mineralbestand handelt es sich um Leuko-Aplo-Granodiorite bzw. Leuko-Aplo-Quarzmonzonite (Nomenklatur nach TRÖGER 1955), wobei Jedoch nach bisheriger Erfahrung die Typen nicht regional getrennt auftreten und makroskopisch nicht unterschieden werden können. Der Gliederung der tektonischen Geschichte sei eine Zusammenfassung des Beobachtungsmaterials vorangestellt. In Abb. 2 ist ein Sammeldiagramm der tektonischen Elemente des gesamten Biotitgneiskomplexes, einschließlich der Paragneis- und Zweiglimmerschiefer-Einschaltungen und -Hülle, wiedergegeben, und zwar nur die Streubereiche (im Sinne der Statistik), d. h. der Teil des ausgezählten Diagramms, der 2/3 aller Messungen enthält. Die s-Flächen sind durch ihre Flächenpole pi (untere Halbkugel), die Achsen durch ihre Ausstichpunkte eingetragen. Es ist dabei unterschieden zwischen den als Striemung sichtbaren Linearen B und den aus den Schenkeln von Kleinfalten konstruktiv ermittelten Achsen ß. Es kommt gut zum Ausdruck, daß das Areal der B und ß nicht zusammenfällt. Man kann erkennen, daß die Streubereiche sich relativ gut in Kleinkreisstreifen zu einer gemeinsamen Rotationsachse R einpassen.