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Exkursion in die Rhön am 16. September 1955

Elborg; Genser; Rutte, E.

Kurzfassung

Exkursionsweg: Würzburg (ab 8.00)-Werneck-Bad Kissingen-Stralsbach-Bischofsheim-Steinernes Haus-Bad Neustadt-Würzburg (an 19.00). 220 km. 1. Werksandstein des Lettenkeupers von Kronungen Partien des oberen Lettenkeupers, überdeckt von Lößlehm, waren von der Straße aus in der Ziegelei von Estenfeld zu sehen. Die Fahrt auf der Hochfläche führte über mehrere - im Landschaftsbilde auffallende - tektonische Elemente, so die hercynisch gerichtete Bruchzone von Kürnach, die Gipskeupergefüllte Bergtheimer Mulde, die Störungszone von Werneck, die Schweinfurter Mulde. Im Steinbruch von Kronungen steht mit 10 m Mächtigkeit der Werksandstein in Flutfazies an. Der ehedem wichtige Baustein wird als Rolliermaterial gebrochen. Das gleichförmig ausgebildete, gelegentlich kreuzgeschichtete Gestein wird von Sigmoidalklüften in große Quader geteilt. Die hangenden oberen Schiefer-Gelbkalk-Schichten lassen die Leithorizonte Anthrakonitbank und Oberer Sandstein gut erkennen. 2. Geologie der Heilquellen von Bad Kissingen Chemierat Dr. C. GENSER, Bad Kissingen, führte die Exkursionsteilnehmer durch die Kuranlagen und informierte vor einzelnen Quellen über balneologische und geologische Tatsachen. Auf der Fahrt nach Aschach wurde der Schönbornsprudel besichtigt. Die Solen leiten sich vom Zechstein ab, die Kohlensäure steht mit dem Vulkanismus der Rhön in Zusammenhang. 3. Tektonik im Wellenkalk von Stralsbach Der alte Steinbruch nördlich des Ortes liegt in einem schmalen Streifen abgesunkenen Wellenkalks inmitten von Mittlerem Buntsandstein. Der Aufschluß, wie auch die südlich des Ortes gelegenen Steinbrüche, sind Ausschnitte der hercynisch gerichteten Bruchzone Kissingen-Haßfurt. Eine Konglomeratbank und die Hauptkonglomeratbank erlauben die stratigraphische Orientierung innerhalb zweier, durch einen 10-m-Sprung getrennter Schollen. Interessante Verfaltungen weicherer Partien zwischen starren Bänken führen zu lebhafter Aussprache über Dynamik und Mechanik der unterfränkischen Bruchzonen. Wie überall, ist auch hier zunächst Zerrung, dann Pressung zu konstatieren.