Original paper

Der Faunenschnitt an der Perm-Trias-Grenze

Beurlen, Karl

Kurzfassung

Ausgehend von Beobachtungen in der Salt Range (Pakistan) über die Perm-Trias-Grenze hat O. H. SCHINDEWOLF vor kurzem das eigenartige, kaum einmal systematisch untersuchte Problem der so auffällig tiefgreifenden Faunenschnitte an den Grenzen der erdgeschichtlichen Zeitalter einer anregenden Erörterung unterzogen. Mit erfreulicher Klarheit nimmt er gegen das alt eingebürgerte Dogma Stellung, daß im Kambrium schon im wesentlichen die gesamte Tierwelt vorhanden gewesen sei und eine sehr lange, infolge der Lückenhaftigkeit der Überlieferung nicht belegte, vorkambrische Vorgeschichte des Lebens angenommen werden müsse. Er weist mit Nachdruck darauf hin, daß alle Beobachtungstatsachen vielmehr dafür sprechen, daß erst an der Wende von Präkambrium zu Kambrium sich eine rasche Entfaltung zu den mit Hartteilen versehenen Vielzellern vollzogen habe, zunächst freilich nur eine arme Fauna hervorbringend, und daß erst an der Wende Kambrium/Ordovicium infolge einer neuerlichen, fast plötzlichen Entfaltungsphase sich eine den späteren Faunen vergleichbare Mannigfaltigkeit herausgebildet habe, bei welcher nun tatsächlich alle Formengruppen vertreten sind. Ich habe diese Vorstellung schon 1939 entwickelt. Aber die suggestive Kraft eingebürgerter Dogmen ist gemeinhin stärker, als es die einfachen Beobachtungstatsachen sind, so daß man diese lieber durch Hilfs- und Überbrückungshypothesen ergänzt, als daß man sich mit seinen Vorstellungen nach den Tatsachen, wie sie sind und durch laufende Beobachtungen fortschreitend ergänzt werden, richtet und die theoretische Vorstellungswelt entsprechend den Beobachtungsfortschritten wandelt. Ich hoffe, daß diesem zweiten Vorstoß gegen das Dogma von der reichen kambrischen und hypothetischen vorkambrischen Fauna eine breitere Resonanz beschieden ist als jenem ersten. Eingehend diskutiert SCHINDEWOLF sodann den Faunenschnitt Perm/Trias (Paläozoikum/Mesozoikum). Er schließt, m. E. mit Recht, interne Faktoren der Evolution sowie solche der paläogeographisch-tektonischen Entwicklung als Ursache desselben aus.