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Der Oberjura des Sonnwendgebirges

Vortisch, Wilhelm

Kurzfassung

Inhaltsangabe eines Vortrages, gehalten im Geol.-Pal. Institut der Univ. Marburg (Lahn) am 14. Dezember 1953. Die Begehungen erfolgten mit Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Sektion Erfurt des Deutschen Alpenvereins. Es ist bekannt, daß die Glieder der Schichtenfolge des Sonnwendgebirges, welche über dem Radiolarienhornstein folgen, nämlich Radiolarienkalk, W, Sedimentärbreccie, W, Hornsteinkalk, W, Aptychenkalk (W soll auf die Übergänge der Gesteinsgruppen durch Wechsellagerung hinweisen), nicht an dem West-gerichteten Schuppenbau des Weißen Riffkalkes, Roten Liaskalkes und Radiolarienhornsteins teilnehmen. Das ist an sich nicht weiter verwunderlich, da auch in anderen Teilen der Ostalpen in der Nähe des Radiolarienhornsteins Ablösungsflächen liegen, hervorgerufen durch die große mechanische Gegensätzlichkeit dieses Gesteins. Die "Hornsteinbreccie", welche WÄHNER noch zwischen Sedimentärbreccie und Hornsteinkalk ausschied, verdankt ihre Entstehung der Umwandlung dieser beiden Gesteine, ist also eigentlich kein normales Schichtglied. WÄHNER (1903) betrachtete diese Umwandlung als eine rein tektonische, SPENGLER, der Herausgeber des 2. Teiles der Monographie, faßte seine Aufgabe durchaus als die eines Chronisten auf, blieb daher bei der Meinung WÄHNERS. Im übrigen pendelte die Auffassung zwischen "sedimentär" und "tektonisch" hin und her. Erst SANDER (1941) brachte die Frage in ein neues Fahrwasser, indem er an Dünn- und Anschliffen paradiagenetische Bewegungen nachwies, welche dann von WEYNSCHENK (1949) noch eingehender behandelt und dargestellt wurden. Ich war seit längerer Zeit mit der Untersuchung und Unterscheidung sedimentärer und tektonischer Breccien beschäftigt und hielt es (1950) für möglich, daß sich die paradiagenetischen Veränderungen auf kleinere Bereiche beschränken, im größeren Bereich aber trotzdem tektonische Veränderungen vor sich gegangen sind, welche die Auffassung WÄHNERS rechtfertigen. Meine mit der größten Zurückhaltung geäußerte Vermutung rief eine Gegenkritik WEYNSCHENKS hervor, welche, wie seine obige Schrift, Irrtümer und Flüchtigkeiten aufweist. Da ich durch meine Arbeitsrichtung und als ehemaliger Schüler WÄHNERS die Sache klarstellen wollte, beschloß ich, mich nach dem Rate des H. WEYNSCHENK eingehender damit zu befassen.