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Die Allgäu-Vorarlberger Flyschzone und ihre Fortsetzungen nach Westen und Osten

Richter, Max

Kurzfassung

Die Allgäu-Vorarlberger Flyschzone ist tektonisch mehrteilig und besteht aus Serien verschiedener Herkunft und verschiedenen Alters. Im folgenden werden die neuen Ergebnisse zusammengefaßt mitgeteilt, die in den letzten Jahren erzielt wurden, da die Untersuchungen nunmehr zu einem Abschluß gekommen sind. Die Stratigraphie konnte weit besser als früher durch Untersuchung von Schlämmproben und Dünnschliffen erfaßt werden. Unrichtige Deutungen früherer Zeiten wurden damit richtiggestellt. 1. Die Liebensteiner Decke Über dem Helvetikum liegt eine ultrahelvetische Flyschfolge, deren Bestandteile als. "Liebensteiner Decke" zusammengefaßt werden. Diese Decke zeigt folgende Schichtglieder: Untereozän -> Schelpen-Serie Senon - Paläozän -> Leimernschichten mit Leimernkalk Cenoman - Turon -> Liebensteiner Kalk Unterkreide -> Hochkugelschichten (Apt - Alb) und Freschenschichten (Alb - Cenoman) Durch das Hinzukommen der von H. P. CORNELIUS (1926) zur Hauptflyschzone gerechneten untereozänen Schelpen-Serie ist der Umfang der Liebensteiner Decke beträchtlich erweitert worden. Die Meinung von R. OBERHAUSER (1953), die Liebensteiner Decke sei keine eigene Decke, sondern bei ihren Gesteinen handele es sich um mitgerissenes und verschlepptes Südhelvetikum, wird durch die Verhältnisse im Allgäu und Vorarlberg überall widerlegt. Im Bereich der Hohen Kugel, von der OBERHAUSER ausgeht, sind außerdem offensichtlich an verschiedenen Stellen die schwarzen Leimernschichten des Paläozäns-Untereozäns mit helvetischen Wangschichten verwechselt worden. Weiter unten wird auf die Frage nach der Stellung der Liebensteiner Decke näher eingegangen werden. Der Ausdruck "Schuppenzone", den OBERHAUSER für die Liebensteiner Decke vorschlägt, ist ungeeignet, da er auf der Verwechslung von helvetischen und ultrahelvetischen Schichtgliedern basiert. Die Hochkugelschichten sind bisher nur an 2 Stellen mit Sicherheit nachgewiesen, einmal auf der Hohen Kugel selbst und zum andern im Raum nördlich von Hindelang. Mit Sicherheit ergab sich hier ein Alter als Apt - Alb.