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Die Rutschung von Nieder-Tenzel bei Leitmeritz am 15./16. April 1941

Thurner, Andreas

Kurzfassung

K. KEIL bringt in seiner "Ingenieurgeologie und Geotechnik" auf Seite 304 bis 307 die Rutschung von Nieder-Tenzel bei Leitmeritz und führt sie auf Frosteinwirkung zurück. Er berichtet, daß die Rutschung nach dem kalten Winter 1939/40 stattfand und daß er die Angaben von Prof. PIETZSCH, Freiberg, samt den Bildern erhalten hat. Am 15./16. April 1941 gab es in Nieder-Tenzel abermals eine große Rutschung, zu der ich als geologischer Berater vom Stellv. Generalkommando IV herangezogen wurde. Ich habe noch Aufzeichnungen von diesen Begehungen und einige Zeichnungen. Die käuflichen Lichtbilder von dieser Katastrophe sind mir leider nicht erhalten geblieben, wohl aber einige eigene Aufnahmen. Ich konnte auch nicht in Erfahrung bringen, daß im Jahre 1940 im gleichen Gebiet eine Rutschung stattfand. Ich vermute aber, daß eine Verwechslung vorliegt, noch dazu, wo die Bilder auf Seite 305 mich sehr an die Rutschung 1941 erinnern. Doch das ist schließlich nicht von so großer Bedeutung. Für notwendiger erachte ich es jedoch, auf die Rutschung 1941 etwa einzugehen, denn diese ist auf keinen Fall auf Frosteinwirkung zurückzuführen, sondern hatte andere Ursachen. Und wenn man die Bilder in KEILS Lehrbuch betrachtet, so gewinne man die Überzeugung, daß auch diese Rutschung - wenn sie wirklich nicht mit der im Jahre 1941 identisch ist - nicht auf Frosteinwirkung beruht, den die gesamten Auswirkungen des Frostes und das Auftauen wirken höchstens 1-2 m in die Tiefe und können wohl kleine lokale Rutschungen in lehmigen, tonigen Gesteinen erzeugen, doch nicht so tiefgreifende und umfangreiche. Nun aber einige Einzelheiten von der sicheren Rutschung am 15./16. April 1941. Ortsangabe: 250-300 m südöstlich von Nieder-Tenzel erhebt sich ein flacher Hang, der zu einer steil ansteigenden Basaltkuppe emporzieht. Im NE wird dieser Hang durch eine breit versumpfte Wiesenmulde mit dem Gletschbach begrenzt, im W bildet die Straße Kutlitz-Nieder-Tenzel die Grenze (Abb. 1). Am untersten Abfall des Hanges liegen 10 Häuser mit verschiedenen Nebengebäuden, die als Berghäuser zusammengefaßt werden. Am oberen Teil des flach verlaufenden Rückens steht das Klobatschhaus. Der Rücken ist mit Wiesen. Äckern und einigen Obstbäumen bewachsen.