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Die ammonitischen Nebenformen Überlegungen zur Frage des Entwicklungsmechanismus der Ammonitenschale

Beurlen, Karl

Kurzfassung

Unter den ungelösten oder umstrittenen Problemen, mit welchen die Paläontologie der Ammoniten reich beladen ist, ist das der sog. ammonitischen Nebenformen eines der eigenartigsten. Während vom Devon bis in die Kreide die Ammoniten starr an der normalen, geschlossenen Planspirale festhalten - abgesehen von wenigen aberranten Formen mit aufgelöster Spirale in der Obertrias und im Dogger -, tritt in der Kreide eine auffällige Auflockerung des bis dahin herrschenden Formtypus auf, die eine scheinbar willkürliche, regellose Abwandlung der Planspirale zur Folge hat. Das Auffällige dabei ist, daß die Schalengestalten dieser Nebenformen zunächst sich einer plausiblen biologischen Deutung entziehen. Die Auflösung der Spirale, wie sie etwa Crioceras zeigt, wäre zwar noch durchaus im Rahmen der im allgemeinen angenommenen schwimmenden oder schwebenden Lebensweise denkbar, wenngleich man schwer einen Grund dafür finden kann, weshalb die in sich viel stabilere geschlossene Spirale zugunsten der viel zerbrechlicheren offenen Spirale aufgegeben werden sollte. Der Übergang zur turmförmigen, z. T. sogar offenen Schneckenspirale bei Turrilites, Heteroceras u.s.f., der eine Aufgabe der Bilateralsymmetrie einschließt, ließe an Übergang zu benthonisch-kriechender Lebensweise analog den Gastropoden denken, wenn das bei dem durch die Gaskammerschale bedingten Auftrieb ohne weiteres möglich wäre. Die unmittelbar gegen den gekammerten Schalenanfangsteil gewandte Mündung der Macroscaphiten, Scaphiten, Hamiten, Ancyloceras und einiger weiterer Typen schließt sowohl aktiv schwimmende Lebensweise aus, da der Schalenanfangsteil dem Trichterrückstoß im Wege steht, wie auch kriechende; man könnte diese, ganz auffällig immer wieder durchbrechende Abwandlungsform mit planktonisch-schwebender Lebensweise in Verbindung bringen: der durch den Auftrieb der Gaskammern nach oben gerichtete Schalenanfangsteil würde die Schalenmündung ebenfalls nach oben wenden, so daß also die Mundöffnung, nach oben gerichtet, die günstigste Lage zum Auffangen absinkender Planktonteilchen einnehmen würde.