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Zum gegenwärtigen Stand des Magnesitproblems

Ney, P.

Kurzfassung

Zu den Begleiterscheinungen unseres technischen Zeitalters gehört es, daß einerseits die Fülle des Schrifttums für das spezielle Arbeitsgebiet des einzelnen immer mehr anwächst und schwieriger zu bewältigen wird und daß andererseits zusammenfassende, vergleichende und sichtende Beiträge immer seltener werden. Dieser betrübliche Zustand bedingt, daß das Wissen und Fühlen um eine innere Verknüpfung der auf verschiedenen Gebieten gesammelten Ergebnisse schwindet und oft auch dem eifrigsten Forscher viele Anregungen und Gedankenbrücken entgehen. Die folgenden Ausführungen sollen einen Überblick über den gegenwärtigen Stand des Problems der Entstehung von Magnesitlagerstätten geben. Dieses Problem ist keineswegs isoliert, steht es doch in engem Zusammenhang mit den Fragen der Magnesium-Metasomatose, der Dolomitentstehung, der Bildung sedimentärer Lagerstätten und der alpinen Metallogenese. 1. Bildungsweisen und Paragenesen des Magnesits 1. Die norwegischen Sagvandite, Gesteine aus Bronzit und Magnesit, sind nach BARTH entstanden durch Reaktion eines Magmas mit Dolomit. 2. Zusammen mit sulfidischen Erzen, auch Blei-Zink-Erzen, setzen hydrothermale Lösungen neben vorherrschendem Calcit, Dolomit und Siderit auch ganz gelegentlich eisenreiche Magnesite ab. 3. In Rissen und Spalten eines stark gestörten, von paläozoischen Kalken unterlagerten Tuffes im Current Creek Distr., Nev., USA., haben karbonatführende Thermen sehr reichlich in meist feinstkörniger und reiner Form Calcit, Dolomit, Magnesit, Huntit, Deweylit und Kieselsäure abgesetzt. 4. Die Zersetzung von Peridotiten, Pyroxeniten und Serpentinen durch aszendente oder deszendente kohlensäurehaltige Wässer führt, meist noch im Gesteinsverband, zur Bildung von dichtem bis feinkörnigem, eisenarmem bis eisenfreiem Magnesit ("Gelmagnesit"), der häufig durch Kieselsäure (Opal) verunreinigt ist. Bei sehr intensiver Zersetzung der Ultrabasite finden sich im Magnesit noch größere Mengen von Chlorit, Talk, Asbest und Netzwerke von Magnetit (Umgebung des Tarrekaisse in Schweden). In Snarum (Norwegen) und an anderen Orten gehen solche dichten Magnesite in grobkristalline über.