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Zum Saxothuringikum zwischen Erzgebirge und Sudeten

Möbus, G.

Kurzfassung

Das variszische Gebirge wird im Saxothuringikum des östlichen Mitteldeutschlands durch den Wechsel des regionalen Streichens aus der erzgebirgischen in die herzynische Richtung gekennzeichnet Ausgangspunkt dieser Richtungsänderung sind im Westen das Erzgebirge und im Osten die Sudeten. PIETZSCH wies nach, daß der in der Elbtalzone zu beobachtende Wechsel des Streichens als Folge einer tiefgreifenden Transversalflexur anzusehen ist, so daß das eigentliche Umbiegen des variszischen Gebirges weiter im Osten vermutet wurde. Diesen Baum östlich der Elbe nimmt im wesentlichen das große Lausitzer Granitmassiv ein, dessen Gesteine in die Gneise des Iser- und Riesengebirges übergehen, also bis in die Sudeten fortsetzen. Die grundlegenden Arbeiten von H. CLOOS ermöglichten die tektonische Untersuchung dieses magmatischen Massivs. Der Bearbeiter des Lausitzer Granitgebietes, H. STENZEL (1924), stellt dabei fest, daß das variszische Gebirge innerhalb des Lausitzer Massivs, und zwar innerhalb des Lausitzer Granodiorits, umbiegt. Die Umbiegungsstelle liegt bei Löbau/Sa., wobei der Richtungswechsel auf einer Breite von nur wenigen Kilometern fast rechtwinkelig erfolgt. Neuere rein petrographische Untersuchungen von EBERT (1943) ergaben, daß in den Schwenkungsbereich die Grenze zwischen zwei Granodioritmassive zu legen ist, in die nach EBERT der normale Lausitzer Granodiorit zu trennen ist. So bestand die Möglichkeit, daß kein Umbiegen vorliegt, sondern daß erzgebirgische und herzynische Richtung senkrecht aufeinanderstoßen als Strukturlinien zweier verschieden alter Massive. Petrographisch-tektonische Untersuchungen des Vortragenden, die unter der Leitung von Prof. Dr. S. v. BUBNOFF durchgeführt wurden, sollten die Verhältnisse im Umbiegungsbereich klären. Die petrographischen Befunde ergaben, daß die Trennung des Lausitzer Granodiorits in zwei verschiedene Massive nicht aufrechterhalten werden kann. Der Lausitzer Granodiorit stellt vielmehr einen einheitlichen Gesteinskörper dar.