Original paper

Grenzen der stratigraphischen Brauchbarkeit der Pteraspiden im rheinischen Devon

Fahlbusch, K.

Kurzfassung

In der letzten Zeit sind mehrere neue Wirbeltierfundpunkte im rheinischen Unterdevon entdeckt worden. Es handelt sich bei den gefundenen Resten überwiegend um Pteraspiden, so daß der Versuch naheliegt, diese für die Stratigraphie der schwer zu gliedernden Schichtkomplexe heranzuziehen. Von der Panzerung der Pteraspiden werden am häufigsten Ventralschilde gefunden, die aber, findet: man sie isoliert, keine sichere Artbestimmung zulassen. Die größten morphologischen Unterschiede bestehen in der Ausbildung des Rostrums. Auch der Dorsalschild zeigt bei älteren Exemplaren Unterschiede, die eine Artbestimmung in vielen Fällen ermöglichen. Bei der Bestimmung einzeln gefundener Panzerelemente ist aber zu beachten, daß diese im Laufe des Wachstums Umriß und Gestalt ändern. Bei derartigen Einzelfunden besteht die Gefahr, daß bei fehlendem Vergleichsmaterial neue Arten und Unterarten aufgestellt werden. Durch eine stratigraphische Auswertung dieser Arten können recht erhebliche Fehler entstehen. Die Änderung des Umrisses einzelner Schilde bei einer Art soll an einigen Beispielen erläutert werden. Die drei Wachstumsstadien der Rostren von Pt. dunensis (Abb. 1) zeigen Unterschiede, die die Aufstellung zweier Arten rechtfertigen würden, wenn sie getrennt gefunden worden wären. Es handelt sich aber um isolierte Rostren, die aus einer großen Aufsammlung von einem Fundort stammen. Sie konnten in eine kontinuierliche Reihe eingeordnet werden, die von dem kleinsten bis zum größten alle denkbaren Übergangsstadien aufweist. Es handelt sich um einzelne Wachstumsstadien, die der Panzer durchläuft. Bei sorgfältiger Untersuchung wird man, wie es in Abb. 1 angedeutet wurde, bei dem großen Exemplar die Umrisse der kleineren wiederfinden. Es ist daraus zu schließen, daß der Panzer periodisch wächst. Das linke Rostrum stammt von einem Individuum, bei dem die Panzerentwicklung gerade begann, während das rechte Rostrum etwa ein Stadium beendeten Panzerwachstums zeigt. Die Änderung des Pinealsinus erweist sich nicht als Unterartmerkmal, sondern ist ein Wachstumskennzeichen.