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Wie die Natur einen Lepidostrobus nachzuahmen versuchte (Vorlage einer seltsamen Dolomitknolle aus der Ruhrkohle)

Teichmüller, M.

Kurzfassung

Eine Dolomitknolle, die auf einer Halde der Zeche Viktoria bei Lünen gefunden wurde und die wahrscheinlich aus Flöz Katharina stammt, gleicht äußerlich einem Lepidostrobus (vgl. Abb. 1). Die Knolle hat ellipsoidische Form, ist 16 cm lang, 11 cm breit und zeigt fast auf der gesamten Oberfläche eine Schuppenstruktur, die der von Lepidodendron-Sporenzapfen ähnelt. Auch der Form nach hätte es sich um einen gedrungenen Lepidostrobus handeln können. Dünnschliffe zeigten aber, daß hier ein Teilstück eines Lepidodendron-Stammes im Bergeria-Zustand dolomitisiert worden ist. Es ließ sich nachweisen, daß vor der Dolomitisierung der Stamm bereits ziemlich stark zusammengepreßt war, so daß die Rinde an den beiden am stärksten beanspruchten Stellen aufgeplatzt war und der zentrale Holzkörper elliptisch deformiert wurde. Durch die aufgeplatzte Rinde ist feiner Torfbrei in den Stamm eingedrungen und hat die Zone der primären inneren Rinde, die ihrerseits schon zersetzt war, ausgefüllt. In dem eingedrungenen Torf-Detritus befand sich ein kleines Fusinit-Stück, das als Fällungszentrum für den Dolomit gedient hat. Das Dolomitgel wuchs allmählich ellipsoidförmig um dieses Zentrum herum, bis es die Stammoberfläche erreichte und auch die Blattpolster inkrustierte. Durch die verschiedene Setzung des dolomitisierten Stammteils und der beiden angrenzenden nicht dolomitisierten Stammenden legte sich die Rinde und damit die Blattpolsterstruktur auf die Dolomitknollen-Oberfläche bis in die Nähe der Durchbruchstellen des Holzzylinders heran. Die Ellipsoidform der Knolle ist durch die Konkretionsbildung bedingt und weicht, wie das auch sonst bei Dolomitknollen meist der Fall ist, völlig von der ursprünglichen Form des versteinerten Pflanzenteils (Zylinder) ab. Es hat sich also die Struktur einer Lepidodendron-Rinde einer fremden Form aufgeprägt. Dadurch kam es zu der anfänglichen Täuschung. Der Werdegang der Konkretionsbildung ist auf Abb. 2, die ich Herrn Dr. Wo. SCHMIDT verdanke, veranschaulicht. Eine genauere anatomische Untersuchung des versteinerten Lepidodendron-Stammstückes ist noch im Gange. In der Diskussion wies Herr HONERMANN darauf hin, daß er eine ganz ähnliche Konkretionsbildung im Flöz Katharina der Schachtanlage Fritz Heinrich bei Essen gefunden habe.