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Neuere tektonische Untersuchungen im Aachener Revier

Herbst, G.

Kurzfassung

Aus der Lage des Aachener Steinkohlenreviers am Ostende des abtauchenden Brabanter Massivs ergeben sich einige Besonderheiten im tektonischen Bau, die im folgenden hervorgehoben werden sollen. Im Süden des Gebietes, in der Randzone der Eifel, zeigt sich ein weitgeschwungener, leicht nordvergenter Faltenbau in Verbindung mit bedeutenden, SE-fallenden Überschiebungen. Dieser tektonische Bau, der auch in der Inde-Mulde mit ihrem überkippten SE-Flügel durch den Bergbau erschlossen worden ist, läßt sich zurückführen auf die versteifende Wirkung der mächtigen, kompakten Kalkfolgen im Mittel- und Oberdevon und im Unterkarbon. Im NW wird die Inde-Mulde durch den Aachener Sattel von dem nördlichen Teil des Revieres, der Wurm-Mulde, getrennt. Im Kern dieses Sattels ist Oberdevon auf das Oberkarbon der Wurm-Mulde überschoben worden. Durch neue Fossilfunde konnte in diesem Oberkarbon der Sarnsbank-Horizont in unmittelbarer Nähe der Störung festgestellt und damit erstmalig die stratigraphische Sprunghöhe der Überschiebung mit etwa 1300 m (Gesamtmächtigkeit der ausgefallenen Schichtenpakete) genauer ermittelt werden. In der Wurm-Mulde mit ihrer leicht faltbaren Füllung herrscht ein lebhafter, vielfach disharmonischer Faltenbau mit deutlicher NW-Vergenz vor, der in den Randzonen im S und N von kleineren Überschiebungen begleitet wird. Diese Überschiebungen folgen im allgemeinen den SW-NE-verlaufenden Faltenelementen und sind z. T. mitgefaltet, so daß ihre erste Anlage zu Beginn der Faltung anzusetzen ist. Im NE-Teil der Wurm-Mulde schwenken die Faltenachsen um in ein Streichen von 0-20°. Sie schmiegen sich damit, ebenso wie die dort durchsetzenden Überschiebungen, einer auffälligen N-S-Struktur an, die als "Kulmination von HAM" aus dem benachbarten holländisch-limburgischen Revier bekannt ist. Auf die Bedeutung dieser N-S-Strukturen haben schon SEIDEL und SAX hingewiesen. Eine neue wertvolle Untersuchung der Tektonik im Wurmgebiet hat W. H. GREBE (Diss. 1954) durchgeführt. Auf Grund einer eingehenden Auswertung der Einengungsbeträge schließt GREBE auf eine präorogene Einkippung der Schollen nach NE. Für die Querstörungen, denen er z. T. eine überwiegende Horizontal-Komponente nach Art der "Blätter" des Ruhrgebietes zuschreibt (z. B. bei dem Großen Biß), nimmt GREBE ein Aufreißen zu Beginn der Faltung an. Trotz der guten bergbaulichen Aufschlüsse erscheint das vorliegende Beobachtungsmaterial jedoch nicht eindeutig genug, um solche weitgehenden Folgerungen zu rechtfertigen.