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Neu erschlossene Mineralwässer im Rahmen des Mineralwasserschatzes von Süddeutschland

Carlé, W.

Kurzfassung

Anknüpfend an einige neu erschlossene Mineralwässer wurden verschiedene Mineralwassergebiete besprochen. In Bad Liebenzell fand man mit Hilfe einer geothermischen Meßmethode mehrere quer über das Nagoldtal verlaufende Thermalwasserzonen, deren eine mit Erfolg angebohrt wurde. Die in Liebenzell austretenden Wässer sickern auf den Höhen des Grundgebirgs-Schwarzwaldes ein, werden unter dem Gebirge aufgeheizt, nehmen vorwiegend im Rotliegenden ihren Lösungsinhalt auf und treten dort aus, wo Spaltenzonen das Tal kreuzen. Problematisch ist lediglich die Herkunft der Cl-Ionen der gelösten festen Stoffe. Der durch eine 551 m tiefe Bohrung in verschiedenen Stufen des Buntsandsteins erschlossene neue Sol-Säuerling von Bad Mergentheim fördert Tiefenstandwässer, deren Entstehung nicht eindeutig geklärt werden kann. Es könnten sowohl fossile Einschlußwässer als auch erneut gelöstes salinares Bindemittel des Buntsandsteins sein; oder könnte die Sole aus dem nördlich des Mains liegenden Verbreitungsgebiet der Zechsteinsalze herwandern. Die Wässer werden durch Kohlensäure zutage gehoben. Das Neckar - Eyach-Gebiet ist reich an gering konzentrierten Hydrogenkarbonat-Säuerlingen, die aus dem Mittleren und Oberen Muschelkalk quellen. Höher konzentrische Säuerlinge können unter den Vorflutern erbohrt werden, wie vor wenigen Jahren die Rudolfsquelle in Mühringen. Es handelt sich dabei zumeist um Mineralwässer, die beim Zusammentreffen von Sulfat-Wässern und Alkali-Mergeln des Mittleren Muschelkalks einem Kationen-Umtausch unterlagen; sie haben sich teilweise in den Klüften des Wellenkalks angesammelt. Unter ihnen ist ein Sole-Stockwerk anzunehmen. Im Stubensandstein bei Nürtingen fuhr eine Bohrung einen Natrium-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Säuerling an; chemisch sehr ähnliche Wässer fanden sich in derselben Schicht bei Denkendorf/Filder und in Reichenbach/Fils. Auch hier dürften Gipswässer, aus den oberen bunten Mergeln stammend, auf im Stubensandstein enthaltene Natrium-tragende Umtauscher (wohl Kaoline) treffen. Diese eigenartigen Wässer reichern sich unter den Vorflutern an. Es ist nicht sicher zu sagen, ob die Wässer heute noch gebildet werden oder ob man von Vorräten zehrt. Das Thermalwasser von Steinenstadt im südlichen Oberrheintal-Graben ist in allen Bereichen gut zu erklären. Die Ausflußtemperatur von 34° C ist um 9° C höher als der Zuflußtiefe entspricht; profunde Zirkulation auf klaffenden Spalten in der Grabenscholle ist als gesichert anzusehen. Im Grabentiefsten versenkte Salzmergel des Alttertiärs spenden die mineralisierenden Bestandteile.