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Vulkanismus in Italien

Nickel, E.

Kurzfassung

Der Vortragende berichtete an Hand von Lichtbildern über eine gesteinskundliche Exkursion nach Italien, durchgeführt vom Mineralog. Petr. Institut Münster (Dir. Prof. Dr. H. SEIFERT). - Durch die neueren Arbeiten von BURRI und NIGGLI ist es möglich, den mediterranen Vulkanismus in seinen Beziehungen zur Tektonik besser zu verstehen. Das durch RITTMANN für den Vesuv herausgearbeitete Prinzip der Magmenevolution (Bildung unterschiedlicher Differenziationszyklen in Abhängigkeit von eingeschmolzenem Kalk) kann auch auf andere Teile der campanischen bzw. romanischen Provinz ausgedehnt werden. Es ist daher geboten, sich bei einer petrogr. Exkursion nicht nur auf napolitanisches Gebiet (Somma-Vesuv; Campi Flegrei; Ischia) zu beschränken. Während in den Albaner Bergen überwiegend basische Laven auftreten, finden wir im ciminischen, sabatinischen und vulsinischen Distrikt sowie in der (morphologisch eindrucksvollen) Roccamonfina auch die kieselsäurereicheren Vertreter. Die Abtrennung der latitischen Differenziationsvariante ist von besonderem Interesse. - Allein der Morphologie wegen verdient das Gebiet von Bolsena-Orvieto-Viterbo-Tolfa den Besuch des Geologen. In der Toscana sind die Magmen weniger hybrid. Einzelne Vulkanberge (z. B. Monte Amiata), Erzlagerstätten (z. T. seit der Etruskerzeit abgebaut - Ausgrabungen von Schmelzöfen! -) und die Ausblasungen der Soffioni erinnern allenthalben an das Vorhandensein der magmatischen Kräfte. Im Gebiet von Larderello werden die unerschöpflichen Energien postvulkanischer Tätigkeit in großartigen Turbinenanlagen zur Elektrizitätsgewinnung genutzt. Die Geologie der Toscana ist bestimmt durch den Deckenbau der (tonig entwickelten) Liguriden über den kalkigen Toscaniden. Das bedeutendste Fenster, durch die Marmorindustrie von Carrara gut erschlossen, stellen die Apuaner Alpen dar. Die Liaskalke sind hier metamorphosiert; die Frage nach der dynamischen Interpretation des Deckenaufbaus wird besonders brennend. Man hat Gelegenheit, sich die Argumente der Unterströmungstheoretiker vorzuführen. Und wen dies interessiert, der wird auch nicht versäumen, die Verhältnisse im Scheitelgebiet von Genua zu studieren. Erst in dieser großräumigen Sicht - Virgationen und Scharungen der Geosynklinalketten - wird die Lage der italienischen Vulkangebiete verständlich, die sich dort häufen, wo sich die tyrrhenische Masse keilförmig zwischen Tuskiden und Italiden einschiebt.