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Geologischer Reisebericht aus Skandinavien

Richter, Dieter

Kurzfassung

An Hand von Farblichtbildern wurde ein geologischer Überblick über Norwegen und Schweden gegeben. Ein besonderes Problem bietet der Oslograben, der frühzeitig eine starke Sedimentation aufweist. So erreichen z. B. Stricklandia-Zone und Pentamerus-Zone (unteres und oberes Llandovery) in diesem Gebiet Mächtigkeiten von über 250 m. Ähnliche Ablagerungsbeträge gelten auch für alle anderen Schichten seit der mittelkambrischen Transgression und zeigen damit Anklänge an die kaledonische Geosynklinale. Die Absenkung des Oslo-Feldes muß also schon lange vor dem Perm eingesetzt haben und wurde vom späteren Oslo-Graben nur nachgezeichnet. Die Faltung (erisch-ardennisch?) hat diese Sedimente ergriffen, allerdings streichen die Faltenachsen quer zum Verlauf des heutigen Senkungsfeldes. Die interessanten Verhältnisse zwischen Vorland und dem Rand des kaledonischen Gebirges wurden näher untersucht. Dabei wurde der in Schichten des Ordoviziums steckende Span von eokambrischem Ringsaker-Quarzit, im Gegensatz zu der Annahme von C. BUGGE, nicht als Klippe einer 12 km auf das Vorland überschobenen Deckfalte, sondern als aus dem Untergrund heraufgeschürftes Gleitbrett und somit als "autochthone Klippe" gedeutet. Das nicht mehr präkambrische, sondern kaledonisch anzusetzende Alter des ausgedehnten Kristallingebietes Mittelnorwegens und dessen migmatische Entstehung durch Granitisation von Kambrosilur wurde erörtert und vor allem auf die Verhältnisse bei Orkanger und Drontheim hingewiesen. Am Eidsberg auf der Halbinsel Örlandet konnte man die Verzahnung und Verfingerung von Hovin-Sedimenten mit Granitgneisen zeigen. Damit entfällt in tektonischer Hinsicht die Drontheimer Mulde in ihrer bisher angenommenen Form. Die geologischen und lagerstättenkundlichen Verhältnisse der wichtigsten schwedischen Gruben wurden geschildert. Eindrucksvoll war die Heterogenität der Migmatisierung von einfachem Ausschwitzen des Feldspatmaterials über Aussonderung des gesamten sauren Anteils des Gesteinsgewebes auf inhomogenen Schmelzbahnen bis zur Palingenese zu beobachten, die an den Leptiten des Stockholmer Schärengebietes erläutert werden konnte. Eingestreute Bilder der Landschaft, von Gebäuden und Verkehr rundeten die gewonnenen Eindrücke ab.