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Neues zur Skelettbildung der Pterocorallia

v. Schouppé, A.

Kurzfassung

Neuere Untersuchungen an Hand von Pterocorallia haben gezeigt, daß die bei dieser Gruppe in taxonomischer Hinsicht vielfach noch bestehenden Unklarheiten und Unstimmigkeiten auf unklare Vorstellungen betreffend die Entwicklung und den Bau der einzelnen Skelettelemente bzw. deren Bauvarianten zurückzuführen sind. Alle diese Diskrepanzen können nun, wie anschließend an zwei Beispielen erläutert wird, dadurch eine Klärung finden, daß beim Studium des Skelettes der Pterocorallia - ebenso wie bei den Cyclocorallia - auch der (hier allerdings nicht mehr erhalten) Weichkörper in seiner Eigenschaft als skelettausscheidendes Element mit in den Kreis der Betrachtungen gezogen wird. Wenn der Weichkörper auch nicht mehr unmittelbar nachweisbar ist, so lassen sich dennoch Rückschlüsse auf seinen möglichen bzw. wahrscheinlichen Zustand und seine Form sowie seine denkbare Lageveränderung zur Zeit der Ausscheidung ziehen, und damit unterstützende Aussagen betreffend die Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit der einen oder anderen Vorstellung über die Entstehung einzelner Skelettelemente durchführen. Auf diese Weise wird das mögliche Verhalten des Weichkörpers zur Zeit der Ausscheidung also rekonstruiert und gleichsam als Gegenprobe zur Skelettbildung mit in den Betrachtungskreis gezogen. Im ersten Beispiel wird nun der Normalfall des Bautypus der Pterocorallia (z. B. Disphyllum, Hexagonaria) erläutert. Hier zeigt sich sowohl im Septal- wie auch im Interseptalapparat eine deutliche Wachstumstendenz von außen unten nach innen oben. Dies zeigen sowohl die Dissepimente wie auch die Trabekelrichtungen der Septen, die hier aus Einstülpungen von Fußscheibe und Pallium entstanden sein müssen. Außerdem können Wand- und Septalelemente ineinander übergehen. Im zweiten Beispiel werden Vertreter der astraeiden devonischen Formengruppe um Phillipsastraea D'ORB. 1849 behandelt. Hier zeigt sich deutlich sowohl im Septal- wie auch im Interseptalapparat eine Wachstumstendenz senkrecht nach oben. Die Septen bestehen aus fächerförmigen Trabekeln und entstehen hier nur in Einstülpungen der Fußscheibe. Wand und Septen sind getrennt entstehende Skelettelemente (hexakorallid!).