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Zum tektonischen Werdegang des Erdölfeldes Georgsdorf (Emsland)

Schreiber, A.

Kurzfassung

Ausgehend von der geologischen und paläogeographischen Gliederung des Emslandes und seiner Randlage an der westlichen Endigung des Niedersächsischen Beckens wird die tektonische Geschichte des Erdölfeldes Georgsdorf aufgezeigt, wie sie sich nach dem derzeitigen Stand des Aufschlusses auf der Grundlage einer speziellen Feldesbearbeitung ergibt. Wie BREYER schon recht bestimmt vermutet und WOLBURG später begründet hat, ist die Georgsdorfer Antiklinale als das Ergebnis zweier tektonischer Prozesse, nämlich einer älteren Dehnungs- und einer jüngeren Faltungsphase, aufzufassen. Die beiden Stadien im Bau der Struktur lassen sich gut voneinander trennen. 1. Die Dehnungsspannungen kamen nach ununterbrochener Sedimentation seit dem tiefen Portland vor dem Apt zur Auslösung. Mit ihnen war die Heraushebung einer schmalen Randscholle im Norden um 250-300 m ursächlich verknüpft. Dort transgrediert das Apt, in höher gelegenen Teilen auch erst das Alb über verschiedenen Stufen der tieferen Unterkreide bis einschließlich Mittelvalendis (Bentheimer Sandstein). In weiten Gebieten des Feldes südlich davon besteht dagegen volle Konkordanz zwischen Apt und seinem Liegenden. Hier beherrscht eine im wesentlichen präaptische Bruchtektonik das Bild, deren Zerrungscharakter sich eindeutig aus Schnittkonstruktionen mit einem Ausweitungseffekt im Valendis quer zum Strukturstreichen im Betrage bis zu 390 m ersehen läßt 2. Während der subherzynischen bis laramischen Gebirgsbildung wird die präaptische Zerrungsstruktur zu einem schwach nordvergenten Gewölbe umgeprägt, dessen Bildung fast bruchlos erfolgt sein könnte. Nach neueren Beobachtungen im Westfeld ist jedoch anzunehmen, daß in der prätertiär abgetragenen Oberkreide ebenfalls nicht unerhebliche Dehnungsbrüche, die auf Zerrungstektonik hinweisen könnten, vorhanden gewesen sein müssen. Bei einem Vergleich der Schnitte mit den präaptischen bzw. prätertiären Verhältnissen ergibt sich jedoch für die Albbasis als Leitlinie für den Faltungsbetrag im östlichen Feldesteil eine Einengung von etwa 7%. Aus der nachgewiesenen Einengung in dem mittleren Bereich des Portland-Oberkreidestockwerkes und der Zerrung in dessen hohem Teil ist nach Ansicht des Vortragenden nicht unbedingt auf die bekannte Biege- und Zugbeanspruchung eines Schichtenpaketes in einem tangentialen Pressungsfeld zu schließen. Auch bei der von WOLBURG für den Typus der subherzyn-laramischen Gebirgsbildung im Emsland als wesentlich erkannten Ausstülpung eines Sedimenttroges nach oben, die vielleicht auf Massenverlagerungen in der Tiefe zurückgeht, dürften im unteren und mittleren Teil des Stockwerkes Einengung, darüber jedoch Ausweitung zu erwarten sein.