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Allgemeinere Fragen des niederrheinischen Zechstein-Salzgebirges

Lotze, F.

Kurzfassung

Als Einleitung zu den Vorträgen über das Salzgebirge des niederrheinischen Zechsteins werden einige allgemeinere Gesichtspunkte stratigraphischer und paläogeographischer Art dargelegt. Die Salzabfolge des Zechsteins am Niederrhein entspricht weitgehend derjenigen des Werra-Fulda-Beckens. Beide wurden zunächst als abweichende Entwicklungen des "Älteren Salzgebirges" der Staßfurt-Salzfolge angesehen. Vergleichend-stratigraphische Untersuchungen haben dann aber ihre Stellung im Mittleren Zechstein als Äquivalent der im norddeutschen Hauptbecken nur sehr rudimentär entwickelten "Ältesten Salzfolge" ergeben. Daß die Salzabfolgen in den beiden Becken des Niederrheins und des Werra-Fulda-Raums so weitgehend übereinstimmen, obgleich diese miteinander nicht in Verbindung standen, erklärt sich - außer aus dem gleichen Klimaablauf - aus einer gleichen paläogeographischen Situation. Beide Becken sind "Randlagunen", die sich, epirogenen Quersenken folgend, von der "Hauptlagune" des norddeutschen Zechsteinbeckens gegen Süden vorstülpten. Daß diese Randlagunen eher "reif" zur Salz- und Kalisalzabscheidung wurden als das Hauptbecken, entspricht dem auch bei rezenten Salzbildungen erkennbaren Gesetz, daß sich die Höchsten Salzkonzentrationen zuerst in den dem Wasserzustrom am weitesten entfernten Teilen eines Beckens einstellen, in besonders ausgeprägter Form dann, wenn diese Beckenteile als "Bandlagunen" von der Großlagune in zusätzlicher Weise abgeschnürt sind. Der Wasserzustrom in das deutsche Zechsteinbecken erfolgte also nicht aus südwestlicher oder südlicher, sondern aus entgegengesetzter Richtung, wahrscheinlich in der Hauptsache von Osten her. In der Zeit des Oberen Zechsteins war die Salzbildung in den beiden Randlagunen im wesentlichen erloschen. Die Faziesverhältnisse waren annähernd diejenigen der "normalen" Randbereiche des Oberzechstein-Beckens geworden. Als Salzabscheidungen in einer weiteren "Randlagune" des Zechsteinbeckens ist auch die in Nordengland durch Bohrungen bekanntgewordene Salzabfolge zu werten, die daher vergleichsweise zu betrachten ist. Ihr ist ein besonderer Vortrag gewidmet.