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Zur Mikroflora des niederrheinischen Zechsteins

Grebe, Hilde

Kurzfassung

Die mikrofloristische Untersuchung der Kernserie der Hochbohrung 57 in der Steinkohlengrube Friedrich-Heinrich und einiger Einzelproben aus anderen Zechsteinbohrungen am Niederrhein (Kamp 4, Unterheide, Gervershof und Lintfort II und VIII) hat gezeigt, daß die hier auftretende Pollen- und Sporenflora relativ artenarm, in manchen Proben aber sehr individuenreich ist. Der Erhaltungszustand der Pollen und Sporen ist im ganzen gut. Die Bedingungen für die Mazeration sind, da die Schichten hier nie tiefer als 1000 m versenkt waren und die Inkohlung der Exinen relativ gering ist, günstig. Die gefundenen Sporenformen zeigen gute Übereinstimmung mit den von POTONIÉ & KLAUS (1954), KLAUS (1955) und LESCHICK (im Druck) aus dem deutschen Zechstein und dem alpinen Salzgebirge beschriebenen Gattungen und Arten. Die Gattungen Lueckisporites POT. & KL., Pityosporites (SEWARD) und Jugasporites LESCHIK beherrschen mit über 90% das Florenbild. Die Sporenvergesellschaftung, die, abgesehen von geringen, wahrscheinlich lokal bedingten Abweichungen (Verhältnis F. schaubergeri zu P. zapfei), gut mit den von KLAUS (1955) beschriebenen übereinstimmt, zeigt innerhalb des Kernprofils, d. h. also im Zechstein 1, keine rhythmischen Änderungen, die einen Rückschluß auf Klimaschwankungen gestatten. Die ± weit vom Einbettungsort gelegenen Wälder scheinen von den klimatischen Schwankungen, die sich möglicherweise in der salinaren Sedimentation abbilden, im großen unberührt geblieben zu sein. Ähnliche Verhältnisse beschreibt KIRCHHEIMER (1950) aus der oberrheinischen Lagune des Oligozäns. Er konnte an Hand der Pollenflora zeigen, daß die unmittelbare Nachbarschaft der Lagune trockene Standorte bot (Ephedra), in der weiteren Umgebung aber - wahrscheinlich auf nebelfeuchten Höhen - reiche Floren (vorwiegend Koniferen) wuchsen, deren Pollen vom Wind in die Lagune geweht wurden. Auch KIRCHHEIMER stellte fest, daß die Pollenspektren keine gesetzmäßigen Änderungen zeigen. Die Sporenmenge ist naturgemäß in den verschiedenen Sedimenten verschieden. Sie hängt bis zu einem gewissen Grad von der Art des Sedimentes ab. In dem untersuchten Profil herrschen fossilreiche, marine Mergel, die sich z. T. wohl am Fuße von Bryozoen-Riffen bildeten, durchaus vor. Sie enthalten pro ccm Gestein etwa 3000 Sporen. Gelegentlich kommen auch bis zu 6000 vor. Daneben treten sehr sporenarme Schichten mit 90-500 Sporen pro ccm Gestein auf. Der Kupferschiefer enthält auffallenderweise nur wenig mehr Sporen als der Zechsteinkalk, z. T. sogar etwas weniger. Als sehr sporenreich erwiesen sich zwei nur fingerdicke schwarze Tonlagen, die nahezu 30 000 Sporen pro ccm Gestein enthielten. Auch die gefundenen Sporenmengen stimmen in der Größenordnung gut mit den von KLAUS (1955) gemachten Angaben überein.