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Vergleich der englischen Zechsteinentwicklung mit der deutschen

Lotze, F.

Kurzfassung

Die englische Salzabfolge läßt sich in drei wohlausgebildete Abscheidungszyklen gliedern, an die sich ein vierter, mehr rudimentärer Zyklus anschließt. Die vollständigste Entwicklung besteht dabei in Yorkshire, wo die Verhältnisse durch neuere Tiefbohrungen gut bekannt geworden sind. Gegen Westen vereinfacht sich zum Beckenrand hin die Abscheidungsfolge, indem einzelne Glieder sukzessiv ausfallen, wie das ja auch im deutschen Zechsteinbecken der Fall ist. Sylvinitische Kalisalze sind im zweiten und dritten Zyklus vorhanden, während der erste wohl zwei Polyhalit-Einschaltungen, doch keine eigentlichen Kalisalzlager enthält. STEWART (1954) parallelisiert die Abscheidungen des ersten Zyklus, die "Unteren Evaporite" Englands, mit der deutschen Staßfurt-Serie, die "Mittleren Evaporite" mit unserem Jüngeren Salzgebirge, die "Oberen Evaporite" mit der Aller-Serie (= Jüngstes Salzgebirge). Die Werra-Salze des Mittleren Zechsteins wären in England nicht repräsentiert; denn im "Lower Magnesian Limestone" sollen in England nach STEWART sowohl Zechsteinkalk wie auch Werrafolge und Hauptdolomit stecken. Nach dieser Einstufung erhielte die Kalizone des englischen Mittleren Evaporit-Horizonts die stratigraphische Position etwa der deutschen Riedel-Zone; Staßfurt- und Ronnenberg-Kaliflöz wären in England nicht vorhanden, dafür wäre andererseits die Kalizone des "Oberen Evaporit-Horizonts" von Yorkshire in Deutschland nicht vertreten. Diese und verschiedene andere Unstimmigkeiten in der Parallelisierung des englischen Salzprofils mit dem deutschen verschwinden, wenn man die Untere Evaporitzone Englands unserer Werra-Serie gleichsetzt, die Mittlere der Staßfurt-Folge, die Obere der Leine-Serie und den sich andeutenden vierten Zyklus der Aller-Serie. Der Mittlere Zechstein hätte danach im englischen Becken eine ähnlich mächtige Salzfolge entwickelt wie in den beiden deutschen Becken des Niederrheins und der Werra und Fulda. Die Abscheidungskurve hätte hier wie dort einen zweigipfeligen Verlauf. Das englische Salzbecken wird damit für den Mittleren Zechstein zu einer den beiden deutschen Randlagunen analogen Bildungsstätte. Das hätte die Konsequenz, daß der Zustrom des Meerwassers zum norddeutschen Hauptbecken nicht über England erfolgt sein kann. Platz dafür bliebe zwar noch in der östlichen Nordsee, doch erhebt sich die Frage, ob ein wesentlicher Zustrom während des Mittleren Zechsteins nicht doch vom russischen Becken her geschah, wenn auch die erste Füllung des deutschen Zechsteinbeckens durch eine Meeresingression vom arktischen Bereich her über die Nordsee erfolgt war.