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Geophysikalisch-geologische Untersuchungen im Atlantik

Berckhemer, H.

Kurzfassung

Der Vortragende berichtete über Arbeiten aus dem Lamont Geological Observatory der Columbia Universität New York, das unter der Leitung von Prof. M. EWING zu einem Zentrum der meeresgeologischen und geophysikalischen Erforschung des Atlantischen Ozeans geworden ist. Aus der Vielzahl der Probleme wurden zwei herausgegriffen, die von allgemeinem geologischem Interesse sind. 1. Die Entstehung der Abyssal- oder Tiefsee-Ebenen. Präzisionsechogramme zeigen in weiten Gebieten des Atlantiks ein erstaunlich flaches Profil mit Neigungen von teilweise weniger als 1:5000. Die Form der Tiefenprofile in Verbindung mit der Korngrößenverteilung (graded bedding) in Lotkernen legen den Schluß nahe, daß der Sedimentationsmechanismus in diesen Gebieten im wesentlichen turbulenten Suspensionsströmungen (turbidity current = t. c.) zuzuschreiben ist. Diese außerordentlich energiereichen und reibungsarmen Strömungen erlauben eine sehr weittragende und gleichmäßige Verteilung der Sedimente hauptsächlich aus dem Mündungsgebiet der großen kontinentalen Ströme. Modellvorstellungen führen zum physikalischen Verständnis solcher Transportvorgänge. Die im Zusammenhang mit dem Erdbeben vom 18. November 1929 an der Neufundlandbank: auftretenden Brüche der Transatlantik-Telegraphiekabel lassen sich auf Grund neuer Lotkernuntersuchungen als Auswirkung eines gewaltigen, durch das Erdbeben ausgelösten t.c. erklären. Damit sind erstmals quantitative Angaben über Ausbreitungsgeschwindigkeit, geometrische Dimensionen, Dichte und transportierte Sedimentmassen möglich. Das Auftreten von t.c. ist natürlich nicht auf den Atlantischen Ozean beschränkt. Typische Ablagerungen durch t.c. in früheren geologischen Zeiträumen findet man z. B. in der Culm-Grauwacke. 2. Die Struktur der Erdkruste unter dem Atlantischen Ozean. Als Ergebnis seismischer Refraktionsmessungen im Westatlantik ergab sich, daß hier die Erdkruste nur von einer 1-2 km mächtigen Sedimentschicht und etwa 3-4 km Basalt gebildet wird. Die Granitschicht fehlt mehr oder weniger vollständig. Die Mohorovicic-Diskontinuität liegt etwa 10 km unter dem Meeresspiegel, im Gegensatz zu 30-40 km unter den Kontinenten. Die Ansicht, daß die Erdkruste östlich der Mittelatlantischen Schwelle kontinentalen Charakter habe, konnte durch eine Untersuchung an Oberflächenwellen von Erdbeben widerlegt werden. Es besteht kein grundsätzlicher Unterschied zwischen Ost- und Westatlantik, Pazifik und Indik.