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Die wissenschaftlichen und praktischen Ergebnisse der Tiefbohrung in Bad Mergentheim

Carlé, W.

Kurzfassung

In den Jahren 1952 bis 1954 wurde in Bad Mergentheim eine 551 m tiefe Bohrung zwecks Gewinnung von Mineralwasser für die Badekur abgeteuft. Sie erschloß den gesamten Buntsandstein und Zechstein und endete im Rotliegenden. Der 32,8 m mächtige Zechstein wird durch eine Tonstein-Dolomit-Folge von grauer Farbe dargestellt. In den Tonsteinen ist eine sehr kleinwüchsige Fauna aus Muscheln, Schnecken und einer Brachiopoden-Art enthalten; außerdem sind eingeschwemmte Pflanzenreste vorhanden. Ein Vergleich mit allen erreichbaren Zechstein-Profilen Süddeutschlands ergab, daß der Zechstein von Bad Mergentheim wahrscheinlich gleichaltrig mit der Werra-Stufe des mitteldeutschen Zechsteins ist. Da die Sedimentation ohne Schichtlücke weitergeht, dürfte ein Teil des Bröckelschiefers gleichzeitig mit dem obersten Zechstein Niedersachsens abgelagert worden sein. Der insgesamt 488,2 m mächtige Buntsandstein fügt sich der m Mainfranken aufgestellten Gliederung zwanglos ein. Bevorzugt untersucht wurde der Bröckelschiefer, da erstmals ein vollständiger Kern durch dieses Formationsglied gewonnen wurde. Eine Fülle sedimentologischer Beobachtungen erlaubt die Aussage, daß der Bröckelschiefer in einem fast in Meeresspiegel-Höhe gelegenen Trog abgelagert wurde, daß dieser Sammeltrog häufig von großen Süßwasser-Fluten überspült wurde und daß das Meer mehrfach kurzfristig eindrang. Chemismus und Entstehung der flachgefaßten Mergentheimer Mineralwässer wurden an Hand neuer Tatsachen besprochen; auf die Bedeutung von Ionenumtausch-Vorgängen bei der Bildung der Bad Mergentheimer "Glaubersalz"-Wässer wurde hingewiesen. Die früheren Aussagen über das Bildungsgebiet der Mineralwässer werden durch die Betrachtung einer Anzahl weiterer Mineralwässer des Main-Tauber-Gebietes ergänzt; die Wässer reichen bis dicht an den Odenwald-Rand heran. Überall, wo der Obere Buntsandstein unter dem Vorfluter liegt, birgt er mineralisierte Wässer, deren Chemismen sehr unterschiedlich sein können. Die in der neuen Tiefbohrung erschlossenen Mineralwasser-Horizonte erlauben die Erkenntnis einer hydrochemischen Stockwerks-Gliederung. Die am höchsten konzentrierten Wässer werden im Rötquarzit gefunden; nach der Tiefe zu nimmt die Konzentration unter Schwankungen bis in den grobkörnigen Buntsandstein ab, um beim Eintritt in den feinkörnigen Buntsandstein wieder etwas zuzunehmen. Im Bröckelschiefer, Zechstein und Rotliegenden sind keine Mineralwässer angetroffen worden, jedoch wurde im Rotliegenden noch Kohlensäure erschlossen.