Original paper

Zur Flußgeschichte der Lahn; Ergebnisse schotteranalytischer Untersuchungen in der Umgebung von Marburg

Lang, H. D.

Kurzfassung

Die Frage der tertiären Vorläufer der Lahn war vor fast 20 Jahren Gegenstand von Untersuchungen, die gemeinsam von BLANKENHORN und KURTZ angestellt wurden. Auf Grund ihrer Untersuchungen kamen diese Autoren zu einer Reihe von tertiären Vorläufern der heutigen Lahn mit zum Teil stark abweichenden Laufrichtungen. Im Zuge neuerer Untersuchungen ergab es sich, daß man höchstens bis in das Pliocän hinein von einem Vorläufer der Lahn sprechen kann. Aus präpliocänen Zeiten kennen wir keine Lahnvorläufer. Die älteren, in der Umgebung von Marburg auftretenden Schotter sind miocäne Flußschotter, die aus östlichen oder südöstlichen Richtungen stammen, oder marine Schotter. Weit verbreitet sind Gerölle, die aus den Geröllagen des Mittleren Buntsandsteins stammen und früher vielfach als Zeugnisse irgendwelcher Flüsse angesehen wurden. Dabei zeigt sich eine auffällige Anhäufung dieser aus dem Buntsandstein stammenden Gerölle in der Gegend östlich Kirchhain, etwa dort, wo wir die Gießen-Unterharzschwelle vermuten müssen. Die junge Absenkung des Amöneburger Beckens, für die Beträge bis zu 60 m nachgewiesen werden konnten, hat zu einer Veränderung der Laufrichtungen von Wohra und Ohm geführt. Eine in diesem Zusammenhang durchgeführte Aufnahme der Lahnterrassen zwischen Laasphe und Lollar zeigte, daß einer Vielzahl von Terrassen im Schiefergebirge, die sich bis 110 m über die heutige Talsohle erheben und die zumeist nur eine geringmächtige Schotterbedeckung tragen, im Buntsandsteingebiet wenige, aber deutlichere und mächtigere Terrassen gegenüberstehen, die nur bis zu 60 m über der heutigen Talsohle hinaufreichen. Sowohl im Schiefergebirge als auch im Buntsandsteingebiet kann man die Terrassen in 4 Gruppen einteilen. Eine eindeutige Verbiegung der Terrassen konnte nicht festgestellt werden. Bei einer Untersuchung der Auelehme ergab sich, daß die Auelehmsedimentation im Lahntal unterhalb Marburg und im Amöneburger Becken schon vorallerödzeitlich eingesetzt hat. Im Amöneburger Becken selbst treten Trachyttuffe des Laacher-See-Vulkans auf, in Verbindung mit Torfen, die in Übereinstimmung mit anderen Vorkommen ein allerödzeitliches Alter der Tuffe belegen.