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Der Zusammenbruch des kalkalpinen Deckenbaues

Kockel, C. W.

Kurzfassung

An Hand von Karten, Profilen und farbigen Landschaftsaufnahmen wird zunächst gezeigt, daß die Lechtaldecke, die bekannteste gefaltete kalkalpine Decke, nicht nur im SW (Biberkopf), sondern auch ganz im Osten (Hochfelln) in einen nordüberkippten Sattel übergeht. Ihre Existenz wird aber nicht dadurch in Frage gestellt, sondern im Hochvogelgebiet. Dort ist der Lechtaldeckenhauptdolomit dreimal (Luitpoldzone, oberes und unteres Bärgündele) mit dem Jura der bisher unterlagernden Allgäudecke durch stratigraphischen Übergang verbunden. Durch diese Feststellung wird nicht nur der Deckenbau der nördlichen Nachbarschaft (Vilser Alpen bis hinaus zum Falkensteinzug) hinfällig, sondern auch die Fensternatur des Hornbachtales in Frage gestellt. Dieses stimmt dann mit dem ganz ähnlichen Puitentalzug südlich vom Wettersteingebirge überein, dessen Deutung als Fenster von jeher stark umstritten war. Die dort und in den hohen Lechtaler Alpen früher angenommene Inntal- und Krabachjochdecke zerfällt jetzt ebenfalls in eine Anzahl von Pilzsätteln und Schubbrettern (KRAUS, RICHTER und SCHÖNENBERG), ohne daß schon überall die Umstellung ohne Hindernisse möglich wäre. Zum Schluß wird in einem Ausblick nach Osten der Verdacht geäußert, daß auch der Juvavische Deckenbau, z.B. bei Berchtesgaden, in Wahrheit als gebundene Tektonik zu deuten ist, (Diskussionsbemerkungen SPENGLER zu Vortrag KOCKEL): Herr SPENGLER erinnert zuerst daran, daß es nur einen Geologen gegeben hat, der das ganze in dem Vortrag behandelte Gebiet auf Grund eigener Aufnahmen kannte: OTTO AMPFERER, und es sei sehr zu bedauern, daß man dessen Meinung über RICHTERS und KOCKELS neue Deutung des Gebirgsbaues nicht erfahren kann. SPENGLER hofft noch immer, daß die neuen Beobachtungen mit der Deckenlehre in Einklang gebracht werden können, und zwar vielleicht mit der Annahme, daß an einzelnen Stellen dieselben Gesteine unter und über den Überschiebungsflächen liegen, daß z.B. westlich vom Biberkopf und im Nordgehänge des Horn Fleckenmergel auf Fleckenmergel geschoben sind. Für die Deckscholle des Krabachjochs östlich von Zürs ist nur AMPFERERS Deutung möglich.