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Exkursionen in den Frankenwald und das Fichtelgebirge

Wurm, A.

Kurzfassung

I. Frankenwald unter Benützung von Beiträgen von G. v. HORSTIG, München Stratigraphie Im Paläozoikum des bayerischen Frankenwaldes müssen zwei Faziesgebiete unterschieden werden, ein Gebiet der sog. bayerischen Fazies in der Umrandung der Münchberger Gneismasse und ein Gebiet der thüringischen Fazies. Ihre räumliche Lage und Begrenzung ist aus der Skizze, vgl. Abb. 1, ersichtlich. In dieser Skizze ist die ordovizische Randschieferserie als Glied der bayerischen Fazies besonders ausgeschieden. Die stratigraphische Entwicklung des Paläozoikums in den beiden Faziesgebieten erläutert Tabelle 1, S. 272. Tektonik In den beiden Faziesgebieten ist der Bewegungsstil verschieden. Im Gebiet der thüringischen Fazies herrscht normale Faltentektonik, örtlich kommt es auch zu Druckschieferung und Griffelschieferbildung, stellenweise auch zu epizonaler Umwandlung. Das deutet auf größere tektonische Eindeckungstiefe hin. Das Gebiet der bayerischen Fazies wird von isoklinaler Verfaltung und Schuppenstruktur beherrscht. Mechanische Zerrüttungszonen, Mylonitisierungen sind häufig. Die Bewegung hat sich in einem seichteren Niveau vollzogen. Innere Umformungen fehlen hier im allgemeinen, daher sind die Faunen auch in älteren Formationen erhalten geblieben. Regionaltektonischer Überblick An Hand der Abb. 2 soll ein kurzer Überblick über die großen tektonischen Einheiten des alten Gebirges in Thüringen, Bayern und Sachsen gegeben werden. Wir beginnen im Nordwesten. An den Thüringer Wald schließt sich nach Süden eine sattelförmige Aufwölbungszone an, der Schwarzburger Sattel, hauptsächlich aus Schichten des Algonkiums, Kambriums und Untersilurs aufgebaut. Nach Südosten folgt die thüringische Hauptmulde, mit unterkarbonischen Ablagerungen erfüllt. Diese Mulde wird durch ein hereynisches Element, die Frankenwälder Querzone, in eine west- und ostthüringische Mulde aufgeteilt. Stratigraphisch treten m der Querzone ältere silurische und devonische Schichtfolgen zutage. Tektonisch ist sie durch hercynische Schollenzerlegung mit SW-NE-Ausweitung gekennzeichnet. Weiter im Süden hebt sich aus der thüringischen Hauptmulde der thüringische Hauptsattel heraus. Er setzt sich aus älteren silurischen und devonischen Schichtfolgen zusammen. Seine Achse taucht nach Südwesten bei Bad Steben unter. Nach Osten, nach Sachsen, findet er seine Fortsetzung im Granulitgebirge.