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Über das Bohnerz in Württemberg

Geyer, Otto F.

Kurzfassung

In Südwestdeutschland finden sich in Spalten, Dolinen, flachen Mulden und auf wenig geneigten Hängen der verkarsteten Muschelkalk- und Weißjurahochflächen eisenschüssige, kalkfreie bis kalkarme Ton- und Lehmablagerungen, welche häufig Bohnerz, regellos verteilt oder in Nestern, Bändern oder Krusten angereichert, enthalten. Aus mehreren Gründen verdienen diese Bohnerzvorkommen unsere Beachtung. Einmal waren sie in den vergangenen Jahrhunderten Gegenstand lebhaften Abbaus; die Erze wurden im Lande selbst verhüttet und deckten so zum Teil den Bedarf an Eisen. Zum anderen erwiesen sich diese Bohnerzgruben als vortreffliche Fossilfundstellen. Es mögen nur die Bohnerzgruben von Frohnstetten und Veringenstadt als Fundorte von Resten alttertiärer Säugetiere, diejenigen von Nattheim als altbekannter Fundort oberjurassischer Korallen genannt sein. Und endlich stellen die südwestdeutschen Bohnerzablagerungen bis zu einem gewissen Teil das Äquivalent jener zeitlichen Lücke dar, welche zwischen den jüngsten mesozoischen Sedimenten, den Hangenden Bankkalken des Weißen Jura, und den ältesten flächenhaft verbreiteten känozoischen Sedimenten, der oligozänen Meeresmolasse klafft. Über die württembergischen Bohnerze und damit im Zusammenhang stehende Fragen existiert bereits im 19. Jahrhundert eine umfangreiche Literatur (SCHWEIZER 1825, MÜLLER 1852, O. FRAAS 1859, DEFFNER 1859, ACHENBACH 1859 u. a.). Später haben sich WEIGER (1908) mit den Bohnerzen der Schwäbischen Alb, BRÄUHÄUSER (1916) mit solchen der Muschelkalkhochflächen beschäftigt. Über Chemismus und Entstehung liegen Arbeiten von FACH (1908), Moos (1921), FRANK (1928) und EHMANN (1931) vor. Aus jüngster Zeit datiert ein Aufsatz von KRANZ (1953) über die Bohnerze des Härtsfeldes. Die Funde an tertiären Säugerresten sind vor allem in drei Arbeiten von O. FRAAS (1852), SCHLOSSER (1902) und DEHM (1935) zusammengestellt und ausgewertet.