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Fazies und Geochemie der Kreideerze des nördlichen Harzvorlandes

Kolbe, H.

Kurzfassung

Die Lagerstätten des Salzgitterer und Bülten-Peiner Eisenerzbezirkes liefern über 50% der Roherzförderung des Bundesgebietes. An dieser Förderung ist das Neokom-Eisenerz von Salzgitter mit 6 Mio. Jahrestonnen, das Santonerz von Lengede-Bülten-Peine mit 2 1/2 Mio. Jahrestonnen beteiligt. Der Bergmann, der täglich 25 000 t zu Tage fördern muß, und der Aufbereiter, der 80% der Förderung mit 28-30% Fe zu Konzentraten mit 39-41% Fe und hochofenfähigem Sinter mit 45% Fe verarbeiten muß, sind an Fazies und Geochemie der sedimentären Lagerstätten stark interessiert. Die in enger Gemeinschaft mit den Markscheidereien durchgeführten geologischen und analytischen Lagerstättenbemusterungen, die tägliche Probenahme und die Zusammenarbeit mit dem Aufbereitungs-Laboratorium erlauben einen ersten Überblick über das zur Diskussion stehende Thema. Es sind einige Beobachtungen, die einer jahrzehntelangen systematischen Routinearbeit entspringen, ausgewertet unter Berücksichtigung der Hornburg-Arbeit von Prof. SEITZ und zahlreicher noch unveröffentlichter Forschungsergebnisse des verstorbenen Prof. WEIGELT. In 4 geologischen Abschnitten hat sich im Gebiet des N-Harzvorlandes Eisenerzbildung vollzogen: im Lias (alpha 3 bei Harzburg, gamma bei Echte), im Oxford (Korallenoolith bei Harlingerode und von Hallendorf bis über Gifhorn), im Neokom (bei Salzgitter), im Santon (Lengede-Barbecke, Bülten-Peine). Gemeinsam ist allen Bildungen sedimentärer Eisenerze der Flachmeercharakter der Erzbildungsräume und die Anhäufung von Toneisenstein-Lagen im distalen Bereich. So wie die Vorkonzentration des Eisens in prä- und intraneokom freigelegten Juratonen eine der Voraussetzungen der Entstehung Salzgitterer Neokomerze war, so bilden die Toneisensteine des Apt und der Alb die erste Voraussetzung der Entstehung der Santonerze, nämlich deren "Muttersubstanz".