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Zur Paläogeographie der Korallenoolitherze des Wesergebirges

Thienhaus, Rolf

Kurzfassung

Im Wesergebirge wird durch die Verbundgrube Wohlverwahrt/Nammen der Barbara Erzbergbau AG. das Klippenflöz des Unteren Korallenooliths unter und über Tage abgebaut. Die Produktion betrug 1956 932 000 t. Mit durchschnittlich 10% Fe, 35% CaO und 10% SiO2 gehört das Erz zu den verhältnismäßig eisenarmen, kalkreichen, oolithischen Eisenerzen, die nach Brechen und Sieben dem Ruhrmöller als Zuschlagserz zugeführt werden. Die tektonische Position ist einfach. Erzlager und Nebengestein fallen auf dem Südflügel der Schaumburg-Lippeschen Kreidemulde ungestört durch Verwerfungen mit 15° im Osten bis 20° im Westen nach N ein. Der Bergbau verlagert sich daher von den Abbauen über dem tiefsten Stollen (Nammer Stollensohle = + 95 NN) zunehmend unter das Stollen- und Grundwasserniveau. Eine rechtzeitige und planvolle Vorrichtung der tieferen Aufschlüsse ist aber nur möglich, wenn die Mächtigkeit und Zusammensetzung der Erze des zukünftigen Abbaugebietes bekannt sind. Aus diesem Grunde wurden seit 1937 100 Tierbohrungen niedergebracht, die unsere Kenntnis über die paläogeographischen Verhältnisse des Korallenooliths wesentlich bereichert haben. Für die Auswertung der älteren Bohrungen vor 1945 waren vor allem die von KLÜPFEL bearbeiteten Schichtenprofile von Wert. Weitere Bohrungen sind in dem erzhöffigen, bisher nur durch vereinzelte Erz- und Erdölbohrungen erkundeten Gebiet nördlich der dichter stehenden Bohraufschlüsse vorgesehen. Im Korallenoolith des Wesergebirges treten flözartige Eisenoolithanreicherungen im Unteren, Mittleren und Oberen Korallenoolith auf. Im Unteren Korallenoolith liegt der wichtigste Erzhorizont, das Klippenflöz, das heute ausschließlich gebaut wird. In früherer Zeit wurde vor allem das Wohlverwahrt-Flöz im obersten Teil des Mittleren Korallenooliths und das jetzt erschöpfte Viktoriaflöz im untersten Teil des Mittleren Korallenooliths gewonnen. Außer diesen Flözen sind vor allem durch die Untersuchungen von KLÜPFEL (1931) mehrere nicht bauwürdige Erzhorizonte bekannt geworden, wie das dem Viktoriaflöz wahrscheinlich entsprechende Zwischenflöz des Mittleren Korallenooliths und das geringmächtige Fossilflöz des Oberen Korallenooliths zwischen Unterem und Oberem Humeralisoolith.