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Zum Chemismus der Bildung einiger sedimentärer Eisenerze

Harder, Hermann

Kurzfassung

Bei vielen während dieser Tagung besprochenen Eisenerzen beobachtet man eine Wechsellagerung von roten bzw. braunen und grünen Schichten. Die rötlichen Erze bestehen aus Hämatit bzw. Nadeleisenerz, während in den grünen Erzen Siderit und Eisensilikate nachzuweisen sind. Also Erze, in denen das Eisen in dem einen Fall im dreiwertigen, in dem anderen im zweiwertigen Oxydationszustand vorliegt. Beide Erztypen sind durch alle Übergänge miteinander verbunden. Selbst in reinen Hämatiterzen, in denen röntgenographisch nur Hämatit nachzuweisen war, konnten chemisch noch größere Mengen von Al2O3 und SiO2 nachgewiesen werden. Dieses Zusammenauftreten von Fe3+ - und Fe++ -haltigen Erzen bereitet für die Deutung der Entstehung einige Schwierigkeiten, da ja bekannt ist, daß Fe++ -haltige Minerale sich nur aus völlig sauerstoffreien Lösungen bilden können. Betrachtet man nun die Fauna dieser verschiedenen Erze, so stellt man fest, daß sowohl in den Hämatit- bzw. Nadeleisenerzen als auch in den Chamosit-Erzen eine Bodenfauna vorhanden ist. Aus sehr vielen Erzen des Lias, Doggers und der Kreide werden z. B. größere Mengen Echinodermenschalen beschrieben, weiterhin verschiedene Arten von Foraminiferen usw. Der Einwand, daß die Echinodermenschalen als Bruchstücke in das Sediment transportiert wurden, kann durch die Größe dieser Bruchstücke entkräftet werden. Ganz einwandfreie autochthone Lebensspuren sind aber die Grabspuren von Würmern, die auch in den Chamosit-Erzen zu beobachten sind. Diese Würmer müssen in Verbindung mit sauerstoffhaltigem Meerwasser gestanden haben, auch wenn sie in einem sauerstoffreien Sediment wühlten. Außerdem lassen sich, wie Prof. HERMANN SCHMIDT mir freundlicherweise mitteilte, an Schalen Fraßstellen von Würmern beobachten, die auch nur am Boden des Sedimentes entstanden sein können. Wir beobachten so eine Fauna, die z. Z. ihres Lebens unbedingt Sauerstoff benötigte. Diese Tatsache gibt uns Auskunft darüber, daß auch die bodennahen Schichten des Meerwassers sauerstoffhaltig gewesen sein müssen, und daß so die Chamosit- sowie die Hämatit-Erze aus Oxyden oder Hydroxyden des dreiwertigen Eisens entstanden sein müssen.