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Bericht über die Exkursionen anläßlich der Frühjahrstagung in Stuttgart, 9. bis 13. Mai 1956

von Braunmühl. H.; Werner, F.

Kurzfassung

Exkursion A. Befahrung des Staufenstollns, Geislingen a. d. Steige, Oberes Flöz des Braunen Jura beta (murchisonae-Zone), am 9. Mai 1956. Das Geislinger Flöz wurde ursprünglich vom Kuchener Stolln aus abgebaut, 1935 kam der Staufenstolln in Betrieb. Die Jahresförderung beträgt zur Zeit etwa 350 000 t Erz mit einem Eisengehalt von 34%, das im Ruhrgebiet verhüttet wird. Etwa 3 km SW vom Mundloch des Staufenstollns liegt ein zweites Grubenfeld, das zur Zeit aufgeschlossen wird. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, in einer alten Fahrstrecke das Flöz sowie die unmittelbar liegenden und hangenden Schichten zu besichtigen. Außerdem waren von der Gruben Verwaltung Proben der verschiedenen Ausbildung des Flözes und seiner Begleitgesteine sowie Fossilien in charakteristischer Erhaltung ausgestellt worden. Das Geislinger Flöz der murchisonae-Zone ist ein Brauneisenoolith mit einer Mächtigkeit von 1,5-2,5 m und Eisengehalten von 28-37%. Es ist bauwürdig in einer NE bis NNE streichenden 0,8-1 km breiten Zone. Das Flöz enthält Quarzsand, Ton und Fossilreste in wechselnden Mengen und ist in unregelmäßig verteilten Partien kalkig gebunden. Die Sortierung der Ooide, deren Halbgewichtsdurchmesser bei 0,15 mm liegt, ist sehr gut. Aus dem Verhalten der Schrägschichtung und der Einregelung von Belemniten ergibt sich Transport der Ooide von NW nach SE in Richtung auf die ehemalige Küste. Die Reicherzzone ist als Transportkörper zu deuten. Die Geröllbank im Dach des Flözes besteht aus ausgespülten Konkretionen, die Schichtfolge ist daher durch Aufarbeitungsvorgänge gekappt. Auf Einladung der Grubenverwaltung fanden sich die Teilnehmer nach der Grubenfahrt zu einer Kaffeepause in Überkingen zusammen. Auf der Rückfahrt über Kirchheim u. Teck wurde das Museum Hauff in Holzmaden besichtigt.