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Tektonische Beobachtungen in den Anden. Herrn Prof. H. STILLE zum 80. Geburtstag

Heim, Arnold

Kurzfassung

Mit Freude der ehrenvollen Einladung folgend, versuchte ich, in Anbetracht der nur kurz bemessenen Rededauer, einige Ergebnisse meiner tektonischen Beobachtungen der Jahre 1939 bis 1947 in den Anden zwischen Magallanes und Nordperu herauszugreifen. Es sind teils Bestätigungen von eigenen und anderen Veröffentlichungen, teils Entgegnungen. Drei Elemente sind es, die sich im Gebirgskörper der Anden im Gegensatz zum Bau der Alpen oder des Himalaja herausheben: 1. Die autochthone Faltung von Schichtfolgen mit verschiedenen Diskordanzen und Verwerfungen, wobei sich besonders die paläozoischen und die jungkretazisch-tertiären (alpinen) Phasen hervorheben. 2. Die gewaltigen, meist granodioritischen Batholiten. 3. Der tertiär-rezente Vulkanismus. Die Diskordanzen und die magmatischen Intrusionen wirkten hemmend auf eine durchgreifend regelmäßige Faltung und sind wohl auch die Ursache dafür, daß keine alpinotype Schubdecken entstehen konnten. Ob die Faltung durch tangentialen Zusammenschub heute allgemein fortdauert, konnte nicht ermittelt werden. Einen großen Eindruck machten mir die quartären Konglomerate von Mendoza, die auf einige hundert Meter vertikal aufgerichtet sind. Entsprechende Aufrichtung ist auch von der Westseite der Precordillera de San Juan bekannt. Sehr bedeutend sind die noch heute fortdauernden epirogenetischen, ruckweise erfolgenden Vertikalschwankungen längs der gesamten Anden. Es sei nur an die bekannten, bis auf über 1000 m gehobenen Strandterrassen (Tablazos) auf der pazifischen Seite in Peru und Ecuador sowie an die katastrophalen Erdbeben von Chillán in Chile (24. Januar 1939) und San Juan in Argentinien vom 15. Januar 1944 erinnert.