Original paper

Zur Tektonik des Frankenberger und des Wildenfelser Zwischengebirges in Sachsen (Vorläufige Mitteilung)

Schwan, W.

Kurzfassung

Die beiden Sächsischen Zwischengebirge von Frankenberg und Wildenfels bestehen aus Kristallin und begleitendem vorsudetischem Paläozoikum. Sie erscheinen zwischen dem Erzgebirge im Süden und dem Granulitgebirge im Norden inmitten des großen Erzgebirgischen Beckens (vgl. Abb. 1). In der Bezeichnung "Zwischengebirge" ist das Problem schon angedeutet: Während sonst, wie bei den angrenzenden Antiklinalen des Erzgebirges und des Granulitgebirges, Gneise im allgemeinen normal von einer Schieferhülle ummantelt im Kern der Sättel auftreten, erscheinen die Zwischengebirgsgneise unvermittelt innerhalb einer ausgedehnten paläozoischen Synklinale. Welche tektonische Stellung nehmen sie darin ein? Zu dem gleichen Problemkreis wie die Gneisvorkommen von Frankenberg und Wildenfels gehört die Münchberger Gneismasse in Nordbayern, die ebenfalls isoliert im Paläozoikum erscheint. Wie PIETZSCH festgestellt hat, liegt sie in der gleichen Zone wie die Sächsischen Zwischengebirge (Abb. 1). Von den zahlreichen, seit Mitte des vorigen Jahrhunderts entstandenen Deutungen dieser Kristallinvorkommen (GÜMBEL, NAUMANN, ROTHPLETZ, F. E. SUESS, PIETZSCH, KOSSMAT, WURM, AHRENS, DEUBEL, SCHEUMANN, BECKER, CLOOS, BEDERKE, SCHOLTZ, HENTSCHEL, KRENKEL, REIBISCH, SCHÜLLER, SPENGLER, v. GAERTNER, KRAUS), auf die an dieser Stelle kaum eingegangen werden kann, standen und stehen noch heute im wesentlichen zwei einander gegenüber. Während die eine Seite die Gneise an Störungen aus der Tiefe emporgepreßt ansieht (PIETZSCH, WURM u. a.), hält die andere Seite die Gneise für Deckschollen, die von Süden her weit nach Norden gewandert wären (KOSSMAT, SCHEUMANN u. a.). Untersuchungen, die im Sommer 1955 zur Ermittlung der Bewegungsrichtungen in den Sächsischen Zwischengebirgen durchgeführt wurden, haben folgendes ergeben.