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Geologische Karten und geologischer Unterricht (Ein Wort zur Gestaltung geologischer Kartenwerke)

Küpper, H.

Kurzfassung

Manchem, der als Unterrichtender in einer mittleren oder höheren Schule zum erstenmal seiner Zuhörerschaft eine gute geologische Karte vorgelegt hat, wird es zum Bewußtsein gekommen sein, daß er damit einen psychologischen Test erster Ordnung ausführt: ein Teil der Zuhörer ist sofort von der Komplexheit des Ausdrucksmittels der Karte gefesselt und wird von ihr wie von einer Partitur mitgerissen, auch wenn ein genaueres Verständnis für Einzelheiten der Karte noch gar nicht vorhanden sein kann; einem anderen Teil der Zuhörer wird eine geologische Karte sein Leben lang nichts sagen, wenn dieser Teil auch im Rahmen der geologischen Berufsgruppe als wertvolle Mitarbeiter später anerkannt sein mag. Wenn gerade wir einige Gedanken jenen Faktoren widmen möchten, denen, trotzdem sie nicht geologischer Natur sind, doch auch von geologischer Seite zumindest manchmal Beachtung geschenkt werden sollte, so geschieht dies deshalb, weil im österreichischen Bereich die Geologie im staatlichen Rahmen nicht in erster Linie einem auf Erwerbsvermehrung ausgerichteten Wirtschafts- oder Handelsministerium zugeordnet ist, sondern die Geologische Bundesanstalt beim Bundesministerium für Unterricht ihr schützendes Dach gefunden hat. Es steht hier nicht das Pro und Contra dieser Zuordnung zur Diskussion, das in einer historischen Entwicklung zu dieser Verknüpfung geführt hat, sondern es soll damit angedeutet werden, daß dem österreichischen Geologen vielleicht mehr als anderwärts die Erfordernisse des geologischen Unterrichtes als ein Moment erscheinen, das bei der Redaktion geologischer Karten Berücksichtigung verdient. Zur Erläuterung dieser Auffassung möchten wir einen kurzen Blick auf die allgemeine Entwicklung geologischer Karten werfen: Jede geologische Farbdruckkarte ist der Niederschlag des Gesamtinteressenbereiches sowie auch Arbeitsresultates des Autor-Geologen, soweit er seiner Individualität in dem meist vorgeschriebenen Rahmen des Kartenwerkes Ausdruck verleihen kann.