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Geologie im Studium generale der Hochschule

Simon, Wilhelm

Kurzfassung

Nur die Hälfte aller an westdeutschen Hochschulen arbeitenden Geologischpaläontologischen Institute hat bisher Vorlesungen zum Studium generale in den Programmen angekündigt. Das fordert zu einer Prüfung der Möglichkeiten (seitens der Hochschule, der Studierenden, unseres Lehrstoffes) und der Berechtigung heraus, mit der wir uns an dieser Seite der Hochschularbeit beteiligen. Der Sinn des nach dem Kriege eingeführten studium generale ist in der Praxis nicht immer leicht zu erkennen. Vorlesungen und andere Veranstaltungen für Hörer aller Fakultäten bestehen seit je. Neu ist allerdings, daß die Teilnahme an derartigen Vorlesungen - früher freiwillig und trotzdem besucht - nunmehr zur Pflicht gemacht ist, jedenfalls an einer Reihe von Technischen Hochschulen. Die nach dem Kriege verschärfte Hast, ein Berufsstudium zu absolvieren, soll diese Regelung als heilsamen Zwang nahegelegt haben. Akademische Freiheit besteht in diesem Rahmen insofern, als der Studierende unter einer Anzahl von Vorlesungen aus verschiedenen Gebieten wählen kann. Im Extremfall ist die erfolgreiche Teilnahme an einem Kolloquium über den gewählten Stoff Voraussetzung für die Meldung zum Fachexamen. Man sieht, daß das Studium generale derzeitiger Form nicht ohne Problematik ist, die denn auch oft genug schon diskutiert und kritisiert worden ist. Unbestritten ist jedoch, daß diese Form als Betrieb funktioniert; und unbestreitbar ist auch, daß sie trotz mancher Mängel einen (für den ersten Blick freilich verborgenen) neuen Wert der Hochschularbeit zugeführt hat. Das zu erläutern ist am ehesten das Beispiel einer Hochschule geeignet, an der die derzeitige Form des Studium generale am konsequentesten durchgeführt ist. Zugleich lassen sich hier die Möglichkeiten zeigen, die sich in diesem Rahmen auch der Geologie bieten. Die Berliner Technische Hochschule ist nach dem Krieg umbenannt worden in Technische Universität, weil sie eine Fakultät eigens für das Studium generale, die Humanistische Fakultät, eingerichtet hat. Aus ihrem Programm hat der Studierende den Stoff vom Umfang eines Semesters zu hören; nahezu 50 Vorlesungen und Übungen stehen je Semester zur Auswahl.