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Querplattung (Sigmoidalklüftung) als tektonisches Merkmal in den deutschen Saxoniden

Engels, Bruno

Kurzfassung

Trotz zahlreicher Deutungsversuche ist die Entstehungsursache der Querplattung nach wie vor problematisch. FRANTZEN (1888/89) glaubte, die Querplattung auf "kryptodiagonale Schichtung" zurückführen zu können, B. WAGNER (1897) dachte bereits an "tektonischen Gebirgsdruck", REIS (1910) hielt sie für "Durchsinterungsschalen". LOTZE (1932) stellte klar, daß es sich bei der Querplattung kinematisch eindeutig um "Dislokationssysteme" handelt, trotzdem bestritt er eine tektonische Entstehungsursache, sondern rechnete sie zu den pseudotektonischen Phänomenen, hervorgerufen durch subaquatische Rutschungen, wie z. B. auch Stauchkalk. PH. SCHMITT (1935) führte die Entstehung der Querplattung auf den "Belastungsdruck" ("Hangenddruck") zurück; desgleichen STRAUSS (1938), aber auf Grund der merkwürdigen Richtungskonstanzen werden letzten Endes kerbwirkende "Primärklüfte" (nach PH. SCHMITT, "Wellenstreifen" nach SCHAD 1933) dafür verantwortlich gemacht. Die "Primärklüfte" versucht STRAUSS (1938) mit einer "epirogenen Embryonaltektonik" (Durchbeulung) in Verbindung zu bringen. Auch ENGELS (1951) führt Gründe für einen tektonischen Einnuß bei der Entstehung der Querplattung an: Richtungskonstanzen im Streichen und vor allem im Einfallen, Beziehungen zur Beule des Hausberges bei Jena und kleintektonische Deformationserscheinungen. Die Richtungskonstanz im Streichen findet sich offenbar im gesamten deutschen Muschelkalk germanischer Fazies, vor allem im Wellenkalk. Und zwar handelt es sich meines Erachtens im wesentlichen um eine nordsüdliche und eine ostwestliche Streichrichtung. Auch im Einfallen scheint eine statistische Regelmäßigkeit zu bestehen, indem die N/S-streichenden Flächen meist nach W und die E/W-verlaufenden meist nach N abtauchen. In diesem einfachen Schema (statistisch ermittelt) ist eine merkwürdige Analogie zur spättektonischen Zerscherung des deutschen Varistikums enthalten. In beiden Fällen ergibt sich derselbe Bewegungs- und Beanspruchungsplan: Pressung von SE unten nach NW oben.