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Über Klüfte und Horizontalstylolithen in Süddeutschland

Wagner, Gerold H.

Kurzfassung

Untersuchungen im Malm zwischen Brenz und Altmühl (Riesgebiet) ergaben, daß sich Klüfte und horizontale Stylolithen gesetzmäßig anordnen. Wie Vergleichsbeobachtungen gezeigt haben, scheint dies auch für weitere Teile (Jura und Muschelkalk) Süddeutschlands zu gelten (Abb. 1). Eine NNE streichende "Hauptkluftschar" ist ausgezeichnet durch ihre Häufigkeit, große Erstreckung, glatte Oberfläche, enge Bündelung und gelegentlichen Kalkspat- oder Striemenbelag (Abb. 2). Eine quere "Gegenkluftschar" ist unregelmäßiger ausgebildet. Die Horizontalstylolithen (als Lineare) streichen wie die Klüfte NNE. wöhnlich stehen sie senkrecht auf der Schichtfläche (schichtnormale, "Vertikal-Stylolithen"). Seltener sind schichtparallele Zapfen, "Horizontalstylolithen", die eine gerichtete Verkürzung der Schichtplatte anzeigen. Diese Bewegung ist nach Richtung und (Mindest-) Betrag bestimmbar. Sie dürfte ihre Ursache in tektonischen Spannungen haben ("tektonische Stylolithen"). Die tektonischen Stylolithen (als Lineare) streichen wie die Klüfte NNE. Diese Übereinstimmung ist einem größeren Gebiet eigen, so daß es naheliegt, mechanische Zusammenhänge anzunehmen. Klüfte und horizontale Stylolithen sind als verschiedene Äußerungen ein und desselben Spannungszustandes denkbar. Es bestehen Analogien zu Gefügebeobachtungen von H. CLOOS (Granittektonik). Die Horizontalstylolithen werden dazu beitragen, lokale tektonische Probleme zu lösen (z. B. im Riesgebiet: Gerold H. WAGNER, Dissertation Bonn 1957). Weitere, über das untersuchte einheitliche Gebiet hinausgehende Beobachtungen mögen uns ihrer wahren Ursache näherbringen.