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Die Mullion-Struktur von Dedenborn in der Eifel

Pilger, A.; Schmidt, Wo.

Kurzfassung

Als mullion structure werden in Schottland und Irland langgestreckte, einander parallel angeordnete Wülste auf der Schichtfläche bezeichnet. Mullion bedeutet im englischen Sprachgebrauch Pfeilerbündel der Stützbögen gotischer Kirchen, was dem geologischen Bild durchaus entspricht. In Deutschland fand Wo. SCHMIDT 1952 erstmalig Mullion-Strukturen im Bereiche des Meßtischblattes Schleiden in der Eifel. In geradezu klassisch schöner Ausbildung, welche eine genaue Beschreibung und genetische Deutung erlaubt, ist die Mullion-Struktur "Dedenborn" am SW-Ausgang des Dorfes Dedenborn entwickelt. Sie wurde von den beiden Vortragenden speziell untersucht und mit anderen derartigen Strukturen der weiteren Umgebung in den Bau des Gebirges eingeordnet. Zugleich mit einer Definition des Begriffes "Mullion-Struktur" sollen die schon aus dem englischen Schrifttum bekannten Mullions in die deutschsprachige Literatur eingeführt werden. Die Mullion-Struktur "Dedenborn" tritt an der Liegendfläche einer Sandsteinbank in Tonschiefern der oberen Rurberger Schichten der oberen Siegen-Stufe auf. Die Schichten sind an der SE-Flanke einer gegen NW vergenten Mulde steil überkippt, wie überhaupt alle Mullion-Strukturen nur bei steiler bis senkrechter Schichtenlagerung auftreten. Die Struktur besteht aus 21 Einzelmullions, die durch Scherflächen, von uns als sigma1-Flächen bezeichnet, voneinander getrennt sind. Mullion-Struktur, sigma1-Flächen und die sich durch Harnischstreifung auf ihnen anzeigenden Bewegungsspuren lassen sich gefügekundlich als gleichzeitig entstanden nachweisen. Die sigma1-Flächen durchschneiden die Sandsteinbank in Abständen, die, von einer sigma1-Fläche zur anderen gemessen, 1/3 bis 3/4 der Sandstein-Mächtigkeit beträgt. Die Schieferung des Gebirges ist älter als die Mullion-Struktur. Ihre Flächen, auch die der Schieferungsklüftung im Sandstein, sind bei der Bildung der Mullions verstellt worden.