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Exkursion in die Kreide- und Tertiäraufschlüsse der Kronsberg-Mulde östlich Hannover

Dietz, Curt; Hiltermann, Heinrich; Schmid, Friedrich

Kurzfassung

Die Exkursion beginnt in Hannover im dicht bebauten Leinetal. Die heutige Talaue der Leine ist mit 2-3 m mächtigem Auelehm bedeckt, der die darunterliegenden Talkiese verhüllt. Mit einem deutlichen Geländeanstieg ist der fluvioglaziale Talsand gegen das engere Leinetal abgesetzt. Bei Wülfel tritt die Mittelterrasse zutage, sie ist teilweise von riß-(saale-)eiszeitlichen Ablagerungen überdeckt. Südlich des Messegeländes wurde das Erdölfeld Kronsberg-Pattensen mit seinen in Betrieb befindlichen Produktionsbohrungen gequert. Ölträger ist der hier in rund 600 m Tiefe liegende teilweise mergelig entwickelte Lumachellen-Sandstein des Cornbrash. Nach den Bohraufschlüssen gehen die Sandflaser-Schichten der Unteren Württembergica-Zone kontinuierlich in den Cornbrash der Oberen Württembergica-Zone über (F. BETTENSTAEDT & C. DIETZ 1957, S. 488). Der Cornbrash wird vom Obervalendis (Hils-Phase) gekappt. Darüber liegen die tonigen Schichten des Hauterive bis Oberalb. Letzteres steht leicht aufgewölbt zwischen dem Cenoman-Vorkommen des Kronsberges und dem von Rethen zutage. Die mit Tiefbohrungen unter der Unterkreide erkannte Ausbißlinie des Cornbrash zieht sich in nordöstlicher Richtung über das Feld Höver zu dem Erdölfeld Lehrte. Diese Felder sind dem Lagerstättentyp der stratigraphischen Fallen, insbesondere dem der Transgressionslagerstätten, zuzuordnen (F. BETTENSTAEDT & C. DIETZ 1957, S. 511). In einem Geländeanstieg östlich Rethen transgrediert oberes Mittel- bis Obersanton über Oberalb. Dieses Obersanton liegt auf dem Ostflügel der ausgedehnten Santon-Mulde von Pattensen. Es ist bei Gleidingen mit tiefen Gruben von dem Gleidinger Hohlsteinwerk J. Olliges im Radlah-Berge mit etwa 20 m mächtigen hellgrauen Mergeltonen gut aufgeschlossen. Die Schichten fallen schwach nach W ein. Sie enthalten eine reiche Foraminiferen-Fauna, die R. WEDEKIND (1940, S. 185) zur Ausscheidung eines "Gleidinger Horizontes" (Typlokalität für Flabellina ovalis WEDEK.) veranlaßte. Nach H. HILTERMANN (1952, S. 54, Abb. 3) ist dieser Horizont ebenso wie der Blankenburger Horizont in das Obersanton zu stellen.