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Vorkommen und tektonische Ausdeutung der Wellenstreifung und Querplattung

Engels, Bruno

Kurzfassung

Eine nähere Betrachtung des bekannten Formenschatzes der Querplattung (Sigmoidalklüftung) im Wellenkalk (ENGELS 1956) ergibt, daß es sich hierbei im wesentlichen um "Dislokationssysteme" (LOTZE 1932), daneben aber auch gleichzeitig um "Faltensysteme" handelt, die jeweils eine Ausdünnung bzw. "seitliche Dehnung" der betroffenen Schichten hervorrufen. Nach STRAUSS (1938) gehören offenbar auch die sogenannten "Lösungsrippeln" bzw. "Primärklüfte" (SCHMITT 1935) oder "Wellenstreifen" (SCHAD 1933) genetisch zum Formenkreis der Querplattung. Wie jedoch Beobachtungen an pleistozänen Kieselgurlagen (Abb. 1 und 2), auf die mich freundlicherweise Herr Dr. GREBE aufmerksam machte, zeigen, muß man aber auch mit gänzlich andersartig entstandener "Wellenstreifung" (mit Pseudo-Wellenstreifen) rechnen. Wie ersichtlich, geht die Entstehung der Pseudo-Wellenstreifen in der Kieselgur zweifellos auf eine feine "tangentiale" Fältelung der papierdünnen Schichten zurück, also nicht auf abschiebende "Dislokationssysteme" wie bei der Querplattung bzw. echten "Wellenstreifung" im Unteren Muschelkalk (Wellenkalk). Während die Schichten bei "tangentialer" Fältelung entsprechend gestaucht bzw. verdickt werden, führen die eingangs genannten "Dislokations"- und "Faltensysteme" ("radiale" Fältelung, CLOOS 1936) zu einer "tangentialen" Zerrung bzw. Ausdünnung. Zwischen Pseudo- und echter "Wellenstreifung" besteht mithin ein grundsätzlicher Gegensatz im Deformationsplan, offensichtlich auch hinsichtlich des Bewegungs- und Beanspruchungsplanes. Bei der erstaunlich großen Ähnlichkeit der betreffenden Erscheinungsbilder wird man daher besonders darauf achten müssen, ob dieser oder jener Fall vorliegt; das gilt sowohl für die "Wellenstreifung" im Muschelkalk als auch hinsichtlich der "Runzelschieferung" bzw. "Schubklüftung" in Tonschiefern, Grauwackenschiefern und dergleichen. Das Streichen der Querplattung und "Wellenstreifung" im Muschelkalk weist höchst merkwürdige Richtungskonstanzen auf, die offenbar im gesamten Bereich der germanischen Fazies Deutschlands statistisch dieselben sind: Eine ungefähr nordsüdliche und eine ungefähr ostwestliche Streichrichtung.