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Die römischen Goldbergwerke bei Astorga und ihre geologische Position

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Seit 1928 habe ich versucht, die Goldbergwerke der Römer, insbesondere die "Arrugien des PLINIUS" in Nordwestspanien und Nordportugal, aufzufinden, ihren Lagerstättentypus und ihren geologischen Verband zu ermitteln. Ich ließ mich dabei von dem Bericht leiten, den PLINIUS d. Ä. (23-79) in seiner Historia naturalis lib. XXXIII cap. 4 gebracht hat. PLINIUS war unter NERO Statthalter in Hispanien. Als höchster Bergbeamter hat er, wie seine ausführliche Beschreibung der Vorrichtungs- und Abbaumethode erkennen läßt, mehrfach ein solches Spülbergwerk besichtigt. Die Bezeichnung arrugia ist wahrscheinlich der iberischen, also vorrömischen Landessprache entnommen und hängt mit span. arroyo "Wasserriß, Auswaschung" zusammen. PLINIUS' Darstellung ist die beste, die wir über einen bergmännischen Arbeitsprozeß aus dem Altertum und Mittelalter besitzen, aber leider von Nichtfachleuten übersetzt worden, so daß man sie noch bis zum Jahre 1928 als unklar ("dunkel") ansah und falsch interpretierte. Erst eine bergmännisch-sachliche Neuübersetzung (H. QUIRING 1933), die auch W. GANZENMÜLLER in die 8. Auflage von GMELINS Handbuch der Chemie (Bd. Gold 1954, S. 28 u. 29) übernommen hat, klärte das Abbauverfahren (Bruchsturz goldhaltiger Erze und Gesteine mit nachfolgender Durchspülung der Bruchsturzmassen) auf. Auf diese technikgeschichtlichen Probleme bin ich auch in der "Geschichte des Goldes" eingegangen. Mehrere Reisen nach Spanien und Portugal haben mich etwas näher mit dem geologischen Verband der von den Römern abgebauten Goldlagerstätten bekanntgemacht, über den einiges berichtet sei. In Abb. 1 ist das nordwestiberische Goldland der Römer wiedergegeben, wie es sich durch die Untersuchungen von Conde de TORENO (1781), F. Xavier VIADORA (1850), G. SCHULZ (1858), F. BEUTHER (1891), BREIDENBACH (1893) und durch spätere Wiederaufnahmeversuche herausgestellt hat. Nach PLINIUS war die Urbs magnifica ("glänzende Großstadt") Asturica Augusta, das heutige Astorga, der Mittelpunkt des Goldlandes. Abb. 1 läßt aber erkennen, daß Astorga am Rande liegt. Es wurden also entweder die größten oder die frühesten Goldbergwerke in der Nähe der Stadt betrieben.