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Geologie der Siegener Schichten zwischen Ahr und Nette (Osteifel)

Meyer, Wilhelm

Kurzfassung

1. Problemstellung Über den tektonischen Bau der Osteifel bestanden bisher zwei gegensätzliche Ansichten. Die Geologische Landesanstalt kam im Anschluß an die Spezialkartierung, die hauptsächlich von W. AHRENS und A. EBERT durchgeführt wurde, zu folgender Auffassung: Aus dem Siegerland läßt sich ein großer Sattel, der Siegerländer Hauptsattel, über den Rhein hinweg bis in die Vordereifel verfolgen. In seinem Kern treten Untere Siegener Schichten ("Tonschieferhorizont") auf, die bei Leutesdorf über den Rhein ziehen und südlich vom Laacher See unter jüngeren Siegener Schichten verschwinden. Bei Mayen sind Hunsrückschiefer auf Obere Siegener Schichten ("Herdorfer Schichten") überschoben. Die Herdorfer Schichten bauen das ganze Gebiet zwischen dem Siegerländer Hauptsattel und dem Ahrtal auf und werden nur an einigen Stellen von Aufsattelungen der Mittleren Siegener Schichten ("Rauhflaserschichten") unterbrochen. So läßt sich eine Zone von Rauhflaserschichten von Hammerstein bis in die Gegend von Langenfeld verfolgen. Eine andere schmale Sattelzone zieht sich vom Rhein bis nach Dedenbach-Königsfeld, und bei Ramersbach treten ebenfalls Mittlere Siegener Schichten unter den Oberen zu Tage. Desgleichen liegt im Ahrtal eine steile Aufsattelung von Mittleren Siegener Schichten. Dagegen entwickelte W. HENKE (1933) eine andere Auffassung über die Großtektonik der Osteifel. Er nimmt ebenfalls einen Siegerländer Hauptsattel an, in dessen Kern Untere Siegener Schichten auftreten. Die Mittleren Siegener Schichten aus dem Raum um Langenfeld verbinden sich mit denen im Ahrtal und bilden die Flanken des sog. Eifeler Hauptsattels, der im rechtsrheinischen Gebiet seine Fortsetzung im Sattel von Hönningen-Seifen hat. Die Gesteine im Kern dieses Eifeler Hauptsattels, also im Gebiet zwischen Ahr und Laacher See, sind aber nach HENKE nicht Obere, sondern Untere Siegener Schichten. Da sie bedeutend sandiger sind als die Gesteine im Kern des Siegerländer Hauptsattels, spricht HENKE von der "Brohltalfazies" der Unteren Siegener Schichten, im Gegensatz zur "Tonschieferfazies" bei Leutesdorf. G. DAHMER (1934) fand in den umstrittenen Ablagerungen die Fauna der Wahnbachschichten, deren stratigraphische Stellung allerdings noch nicht ganz gesichert war.