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Die Bedeutung des Aufschlusses von Maade bei Esbjerg für die Gliederung des Obermiozäns

Hinsch, Winfried

Kurzfassung

A. Historisches G. FORCHHAMMER (1828) benennt als erster Schichten des oberen Miozäns in NW-Deutschland vom Morsum-Kliff der Insel Sylt als "Glimmer-Leer". G. H. O. VOLGER (1845) beschreibt das etwas ältere Vorkommen des schwarzen Tons auf dem Salzstock von Lüneburg; er grenzt dieses Schichtglied durchaus ausreichend gegen die hangenden und liegenden Schichten ab und charakterisiert es durch die Diagnosen der kurz darauf von R. A. PHILIPPI (1847) beschriebenen und abgebildeten Molluskenarten, von denen die meisten sich später als gute Leitfossilien erweisen. Es ist daher durchaus berechtigt, wenn G. H. O. VOLGER (1846) den "Thon von Lüneburg" als stratigraphischen Begriff aufstellt. Typus sind die durch ihre Fauna gut definierten Glimmertone, die auf dem Salzstock von Lüneburg über mesozoische Schichten transgredieren, während an der Salzstockflanke sandige Ablagerungen der Reinbeker Stufe im Liegenden bekanntgeworden sind. Das Hangende bilden dort Pleistozänsande ("Uelzener Sand") mit gelegentlich aufgearbeiteten Tertiärfossilien. Da man bei stratigraphischen Begriffen von einer ausreichend definierten Typuslokalität ausgehen muß, ist es unerheblich, daß VOLGER (1846) tonige Ablagerungen vom Alter des Lattorf bis zur späteren Sylter Stufe seinem "Thon von Lüneburg", der heute auf die Form "Lüneburger Stufe" zu bringen wäre, gleichsetzt. Zu Unrecht verwirft E. BEYRICH (1848) den VOLGERschen Begriff und sieht seinen "Septarienthon" als Typus des norddeutschen tonigen Tertiärs an. Ein Ersatzausdruck für die Lüneburger Stufe ist das "Lager des unteren Elbgebiets" von E. BEYRICH (1856), das allerdings weniger treffend durch die Typuslokalität gekennzeichnet ist und zu dem BEYRICH Tone vom Alter der späteren Reinbeker, Lüneburger, Grammer und Sylter Stufe im Hangenden des damals noch nicht anstehend bekannten Holsteiner Gesteins stellt. J. O. SEMPER (1856) bezeichnet als "nordalbingischen Glimmerthon" die nördlich der Elbe damals bekannten Glimmertone der späteren Lüneburger (bzw. Langenfelder), Grammer und Sylter Stufe.