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Neue Beobachtungen zur regionalen Verbreitung des Oberkarbons aus Bohrungen in Lippe und Südhannover

Fabian, H.-J.

Kurzfassung

Im Zuge der Aufschlußarbeiten der Erdölindustrie wendet sich das Interesse allmählich auch dem vorpermischen Paläozoikum zu. In den letzten Jahren wurden, vom Münsterland, dem Niederrhein-Gebiet und Hessen abgesehen, bereits einige Bohrungen geteuft, die nicht nur der Untersuchung des Zechsteins dienten, sondern auch das Rotliegende und Karbon zum Ziele hatten. Die Aufschlüsse, die dadurch geschaffen wurden, haben unsere Kenntnisse in mancher Hinsicht erweitert und zur Abwandlung bisheriger regionalgeologischer Vorstellungen beigetragen. Verf. hat über die Ergebnisse einzelner dieser Bohrungen, so "Lieme 1", "Northeim 1" und "Bielefeld 1", bereits berichtet. Einer Anregung folgend, sollen deshalb auch die Ergebnisse weiterer Aufschlußbohrungen im lippischen und südhannoverschen Raum mitgeteilt werden, die Oberkarbon erreicht und einen erheblichen Teil davon oder es ganz durchteuft haben. Das Profil der Bohrung "Steinheim 1" (Abb. 1) ist bereits an anderer Stelle im Zusammenhang mit einer Übersicht über die Ausbildung des Zechsteins im NE der Rheinischen Masse (1957) angegeben worden, sei aber hier nochmals kurz wiederholt: Die Bohrung wurde im Jahre 1956 von der Wintershall AG. gebohrt und sollte - nach reflexionsseismischen Messungen über einer Hochlage angesetzt - in erster Linie die Karbonate im Zechstein untersuchen. Das weitere Ziel jedoch war eine Untersuchung des Unterkarbons, eventuell sogar des Devons, die man in nicht zu großer Teufe anzutreffen hoffte und deren Aufschluß sich in der "Bielefeld 1" wegen der zu großen Mächtigkeit des Namurs nicht verwirklichen ließ. Maßgebend für das Ziel der "Steinheim 1" war, daß eine Bohrung der Rommenhöller GmbH. auf Kohlendioxyd bei Bad Driburg, die "Herste 17", unter dem Cornberger Sandstein Oberdevon angetroffen haben sollte, so daß man also hoffen konnte, in der "Steinheim 1" die nur 22 km von "Herste 17" entfernt war, nunmehr das Unterkarbon erreichen zu können. Darauf wird später noch zurückgekommen. Die "Steinheim 1" hatte, wie aus dem Kurzprofil zu entnehmen ist, bei 1528 m den marinen Zechstein durchteuft und kam in rötlich gefärbten Cornberger Sandstein. Da unterhalb von 1569 m in dem Sandstein vereinzelt bis erbsengroße Quarzgerölle, Tonflatschen und Tongerölle auftraten, wurde die übrige tiefere Sandsteinfolge bis 1595 m vom Cornberger Sandstein im engeren Sinne, der ja als Dünenablagerung angesehen wird, als Oberrotliegendes abgetrennt. Ähnlich lagen die Dinge in der Bohrung "Herste 17".