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Granitverwitterung, Entstehung und Alter der Granitklippen

Meinecke, Franz

Kurzfassung

Die Verwitterungsformen des Granits, Vergrusung, Blockbildung, Blockmeere, Granitklippen oder Felsburgen, sind seit einigen Jahrzehnten wiederholt Gegenstand von geologischen und morphologischen Untersuchungen. Erörtert werden Vorkommen und Entstehungsart der einzelnen Verwitterungsformen, Gesteins- oder Klimabedingtheit, die Art des Klimas und die dadurch bedingte Art der Verwitterung und die zeitliche Einordnung der verschiedenen Formen. Die vorliegenden Arbeiten enthalten eine Fülle von Beobachtungen aus den Granitgebieten der deutschen Mittelgebirge und aus Granitgebirgen in Spanien und Portugal. Indessen erscheinen die Vorgänge der Granitverwitterung und die Bildung der Verwitterungsformen des Granits in den deutschen Mittelgebirgen noch keineswegs so weit geklärt, daß, wenn auch in einzelnen Fragen mehr oder weniger Übereinstimmung besteht, eine einheitliche und allgemein anerkannte Auffassung sich bisher nicht ergeben hat. Auf Grund eigener langjähriger Beobachtungen über Granitverwitterung in den deutschen Mittelgebirgen sowie in der katalanischen Küstenkette und bei Toledo und unter Heranziehung des einschlägigen Schrifttums soll versucht werden, einen Beitrag zur Lösung der strittigen Fragen zu geben. I. Klüftung Von wesentlicher Bedeutung für die Verwitterungsvorgänge und -formen des Granits, insbesondere für die Ausbildung der Klippen und Felsburgen, ist das Vorhandensein der Klüftung, die als eine Voraussetzung für den Verwitterungsgang überhaupt zu gelten hat, wie allgemein anerkannt wird. Zu neuen grundlegenden Erkenntnissen über die Klufttektonik des Granits haben die Untersuchungen von CLOOS geführt. Die in einer aufdringenden Granitschmelze bei der Abkühlung und Schrumpfung auftretenden Spannungszustände bilden die Ursache für die Anlage der Klüftungserscheinungen, die untereinander jedoch nicht gleichwertig sind, so daß verschiedene Formen zu unterscheiden sind. Senkrecht zur Fließrichtung der Schmelze verlaufen die Querklüfte Q, die als Zugspalten zu deuten sind; senkrecht zu dienen, parallel zur Fließrichtung, streichen die Längsklüfte S; infolge der guten Spaltbarkeit in dieser Richtung folgen ihr auch solche Klüfte, die nach der Erstarrung des Granits wesentlich später durch rein tektonische Vorgänge entstanden sind.